Riem Katja · Nationalrat · 2025-09-15
Riem Katja · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-09-15
Wortprotokoll
Diese Debatte betrifft nicht nur die Menschen, die bereits verheiratet sind, sondern vor allem auch viele junge Menschen, die noch vor dieser Entscheidung stehen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass auch unsere Stimmen gehört werden, denn es geht um die Frage, in welchem Umfeld wir einmal eine Familie gründen oder eine Ehe eingehen wollen und wie fair der Staat uns behandelt. Viele in meinem Umfeld reden davon, dass sie sich irgendeinmal eine Heirat vorstellen können, aber oft schwingt dabei auch ein gewisser Vorbehalt mit. Man müsse sich gut überlegen, ob man überhaupt heiraten wolle, ob es sich lohne, nicht emotional, sondern finanziell.
Genau hier beginnt das Problem, nämlich dass man überhaupt darüber nachdenken muss, ob man sich eine Ehe leisten kann. Das ist doch irgendwie komisch. Wer heiratet, entscheidet sich dafür, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Das sollte kein Nachteil sein, sondern etwas, das wir hier unterstützen. Heute aber wirkt unser Steuersystem wie eine Strafe für genau diese Entscheidung. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch ein falsches Signal an unsere Generation.
Deshalb finde ich diese Initiative so wichtig. Sie schafft keine neuen Privilegien, sie nimmt nur eine Benachteiligung weg, und sie tut das insbesondere auf eine ganz einfache Art, ohne dass Paare mehr Aufwand haben, ohne dass man das ganze System umkrempeln muss, ohne grosses Drama und ganz sicher auch ohne neues Bürokratiemonster. Genau das macht sie für mich so überzeugend. Es ist eine klare, faire Korrektur.
Oft wird gesagt, gerade auch vorhin, die Initiative koste zu viel. Das ist aber falsch. Es geht hier nicht um Kosten, sondern um Mindereinnahmen, also um einkassierte Steuern, auf die man bewusst und Gott sei Dank verzichtet, weil Gerechtigkeit wichtiger ist. Gleichzeitig entlasten Paare, die füreinander Verantwortung übernehmen, langfristig auch den Staat. Sie stehen füreinander ein, sie teilen Einkommen, sie entlasten das Sozialsystem. Das sollte man nicht behindern, sondern so einfach wie möglich gestalten.
Schlussendlich ist es für mich auch eine Frage von Respekt gegenüber der Lebensrealität unserer Generation. Heute arbeiten in vielen Beziehungen beide. Man teilt sich die Aufgaben, und man sucht flexible Lösungen. Die heutige Lösung basiert aber auf einer völlig anderen Gesellschaftsvorstellung. Sie passt nicht mehr, und es wird höchste Zeit, dass wir das ändern. Darum wünsche ich mir, dass wir jetzt diesen Schritt gehen. Zeigen wir, dass es sich lohnt,[NB]Verantwortung[NB]zu[NB]übernehmen, und dass der Staat das unterstützt statt bestraft. Ich hoffe übrigens auch sehr, dass der Kanton Bern dann dieses Modell später übernehmen wird.
Ich bitte Sie deshalb, dieser Initiative für die Abschaffung der Heiratsstrafe zuzustimmen und nicht der Individualbesteuerung, damit das Heiraten wieder das ist, was es sein sollte, ein schöner und mutiger Schritt in die Zukunft und kein finanzielles Risiko. Stimmen Sie zu - für Fairness, Liberalität, Verantwortung und vor allem für unsere Zukunft.