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Hübscher Martin · Nationalrat · 2025-09-25

Hübscher Martin · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-09-25

Wortprotokoll

Wir stehen heute vor einer Entscheidung, die weit über das politische Tagesgeschäft hinausreicht. Wollen wir, dass die Schweiz längerfristig ein Stadtstaat wird wie Singapur oder Hongkong? Das ist die Frage, und ich sage Ihnen: Ich will das nicht.

Die Nachhaltigkeits-Initiative fordert uns auf, Verantwortung zu übernehmen, nicht nur für die Umwelt, sondern auch dafür, dass wir die nötigen Grundlagen für unsere Ernährung, für unsere Lebensqualität und für unsere Infrastruktur erhalten. Die Schweiz ist bereits jetzt ein dicht besiedeltes Land mit begrenzten Ressourcen. Unsere Infrastrukturen, seien es Wohnungen, Strassen, öffentlicher Verkehr, Schulräume oder die Energieversorgung, geraten zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Die fortschreitende Zersiedelung und der Druck, neue Bauzonen zu schaffen, verschärfen die Situation. Es ist paradox: Während wir hier im Saal über Nachhaltigkeit sprechen, genehmigen wir Projekte, die unser System weiter überlasten. Nachhaltige Entwicklung muss auch heissen, dass wir die Belastbarkeitsgrenzen unserer Infrastruktur respektieren und nicht überreizen.

Wir verlieren Kulturland in einem besorgniserregenden Tempo. Jede neue Überbauung, jede Umzonung bedeutet weniger Fläche für die Landwirtschaft, d.[NB]h. für die Produktion von Lebensmitteln, für die Biodiversität, für die Fruchtfolge. Gemäss dem Sachplan Fruchtfolgeflächen hat die Schweiz ja bereits heute zu wenig geeignete Flächen. So schrieb das ARE am 28.[NB]November 2023, hören Sie gut zu, dass der Mindestumfang an Fruchtfolgeflächen auf der Basis von 8,14 [PAGE 1855] Millionen Einwohnern - das war übrigens die Bevölkerungszahl im Jahr 2013 - berechnet wurde. Zum Zeitpunkt dieser Mitteilung zählte die Schweiz aber bereits 8,93 Millionen Einwohner. Wir alle wissen, dass die Bevölkerung mittlerweile die 9-Millionen-Grenze überschritten hat. Die Schweiz hat jetzt schon nicht einmal mehr fünf Aren Ackerfläche pro Kopf. Das ist weniger als die Hälfte der Ackerfläche pro Kopf in unseren Nachbarstaaten. Die Siedlungsfläche wächst auf Kosten der Ernährungssicherheit, und ja, über vier Fünftel des Wohnflächenwachstums erfolgen wegen der Zunahme der Bevölkerung. Das Bevölkerungswachstum ist der grösste Treiber des Wohnflächenwachstums. Wenn wir diesen Trend nicht stoppen, gefährden wir die langfristige Versorgung unseres Landes. In den städtischen und in den periurbanen Gebieten befinden sich über zwei Drittel unserer besten Landwirtschaftsflächen, nämlich der Fruchtfolgeflächen. Auch die Biodiversität leidet. Wussten Sie, dass wir in den letzten sechs Jahren[NB]16[NB]Prozent[NB]der Flächen mit Nachtdunkelheit verloren haben?

Die Nachhaltigkeits-Initiative setzt hier an. Sie verlangt, dass wir mit unseren Ressourcen haushälterisch umgehen, dass wir nicht nur kurzfristige ökonomische Interessen verfolgen, sondern auch ökologische und soziale Verantwortung übernehmen. Sie ist kein Wachstumsverhinderer, sie ist ein Wachstumslenker. Sie zwingt uns, Qualität vor Quantität und Erhalt vor Verbrauch zu stellen. Ich frage Sie: Wollen Sie wirklich weitermachen wie bisher, mit überlasteten Infrastrukturen, schrumpfendem Kulturland und einem sinkenden Bruttoinlandprodukt pro Kopf? Oder wollen Sie den Kurs korrigieren, bevor es zu spät ist?

Die Nachhaltigkeits-Initiative ist ein Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt hin zu einer Schweiz, die auch morgen noch lebenswert ist. Ich bitte Sie, unterstützen Sie die Initiative.