Lexipedia

Regazzi Fabio · Ständerat · 2025-09-25

Regazzi Fabio · Ständerat · Tessin · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-09-25

Wortprotokoll

Ich spreche mich klar zugunsten dieser beiden Motionen aus. Im Kanton Tessin, aber auch in den Alpentälern anderer Kantone erleben wir seit Jahren ganz konkret, was es bedeutet, wenn Raubtiere wie der Wolf unkontrolliert in die Sömmerungsgebiete vordringen. Es geht nicht um vereinzelte Vorfälle, sondern um wiederholte und dokumentierte Risse von Nutztieren, die gerade in abgelegenen Alpgebieten kaum zu verhindern sind. Jede Attacke bedeutet für betroffene Familienbetriebe nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust, sondern auch eine emotionale Belastung und eine Gefährdung der traditionellen Alpwirtschaft, die unser Kulturland überhaupt erst erhält. Allein im Kanton Tessin sind in den letzten zwanzig Jahren über 500 landwirtschaftliche Betriebe - also ein Drittel - geschlossen worden. [PAGE 1060] Viele Schliessungen, hauptsächlich in den Talgebieten, sind auf die massive Zunahme von Wölfen zurückzuführen.

A questo proposito, proprio in questi giorni ho trovato, in un portale ticinese, un'intervista fatta a una giovane agricoltrice, Flavia Anastasia, che con il marito conduceva un'azienda agricola nelle montagne del Gambarogno - e se parlo al passato è perché ormai hanno dovuto chiudere. Il titolo dell'intervista recita: "È finita, noi il formaggio d'alpe non lo faremo più."

Es ist fertig, wir machen keinen Alpkäse mehr.

C'est terminé[NB]! À l'avenir, on ne pourra plus produire de fromage d'alpage.

Nell'intervista dice: "Il lupo non ha più paura di noi. La politica è lenta." Die Politik ist zu langsam.

La politique va trop lentement.

Se si continua così, tra dieci anni non ci sarà più nulla.

Si ça continue comme ça, dans dix ans on n'aura plus rien.

In zehn Jahren wird es keinen Betrieb mehr geben.

Questo è un esempio concreto, ma ce ne sarebbero molti altri che si potrebbero citare.

Der Bundesrat argumentiert, man solle zuerst die laufende Revision des Jagdrechts abwarten. Doch während wir abwarten, verschärft sich die Lage auf den Alpen von Jahr zu Jahr. Gerade in den grossflächigen Jagdbanngebieten, von denen sich viele mit Sömmerungsgebieten überschneiden, ist eine Regulierung heute schlicht unmöglich, auch wenn die gesetzlichen Voraussetzungen eigentlich erfüllt wären. Das ist ein Widerspruch, den wir nicht länger hinnehmen können.

Das weitere Argument des Bundesrates, die Wolfsterritorien seien grösser als die Jagdbanngebiete und damit sei die Regulierung ausserhalb ausreichend, überzeugt ebenfalls nicht. Denn die Realität zeigt: Die Risse geschehen dort, wo die Tiere gesömmert werden, also in gewissen Fällen mitten in den Banngebieten. Für die betroffenen Landwirte spielt es keine Rolle, wie gross ein Territorium auf der Karte ist, wenn die Herde real auf einer Alp in einem Banngebiet steht und der Wolf genau dort zuschlägt.

Die Motion Friedli Esther stellt sicher, dass dort eingegriffen werden kann, wo es nötig ist, unter klar definierten Voraussetzungen und nur dann, wenn die Bedingungen für eine Abschussbewilligung ohnehin erfüllt sind. Es geht um Gleichbehandlung. Wenn wir in Banngebieten Hirsche regulieren dürfen, ist nicht einzusehen, warum dies unter denselben Bedingungen beim Wolf nicht möglich sein sollte.

La mozione Broulis affronta un altro aspetto problematico. Die geltende Gesetzgebung erlaubt zwar punktuelle Eingriffe, etwa bei Einzelwölfen oder bei unmittelbarer Gefahr für den Menschen. In der Praxis reichen diese Instrumente aber nicht aus. Schäden entstehen oft durch Tiere, die Teil eines Rudels sind oder sich in dessen Streifgebiet bewegen. Dass man in solchen Fällen bis zum 1.[NB]Juni warten muss, um reagieren zu dürfen, ist für die betroffenen Halterinnen und Halter schlicht unzumutbar. Wir müssen handeln können, bevor ganze Herden vernichtet werden, und nicht erst, wenn der Schaden bereits irreversibel ist.

Erlauben Sie mir eine letzte Bemerkung. Die von der Eidgenossenschaft verfolgte Strategie für das Wolfsmanagement in der Schweiz ist klar gescheitert. Die Rechnung ist unausweichlich eingetroffen. Bezahlen müssen sie vor allem die alpinen Kantone, auch wenn sich das Problem mittlerweile auch in anderen Regionen zeigt, sowie die Bergbauern, die inzwischen am Anschlag sind und gezwungen werden, ihre Betriebe zu schliessen - der Fall, den ich erwähnt habe, ist beispielhaft - und damit auch die Pflege der Kulturlandschaft aufzugeben; so viel zur viel beschworenen Förderung der Biodiversität.

La Convention de Berne l'a reconnu et a finalement décidé d'abaisser le statut de protection du loup. Je dois reconnaître que le conseiller fédéral Rösti a amorcé un changement de cap dans ce dossier - et je l'en remercie -, mais cela ne suffit malheureusement pas. C'est pourquoi je lance un appel à son intention, mais également à la vôtre, chères et chers collègues[NB]: utilisons pleinement toute la marge de manoeuvre dont nous disposons afin de nous doter d'instruments efficaces pour freiner l'expansion incontrôlée du loup dans notre pays.

Vi chiedo quindi di approvare entrambe le mozioni, quella della collega Friedli e quella del collega Broulis.