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Hug Roman · Nationalrat · 2025-09-25

Hug Roman · Nationalrat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-09-25

Wortprotokoll

Als Architekt bin ich täglich mit der Frage konfrontiert, wie wir unsere gebaute Umwelt gestalten sollen, ohne dabei unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu gefährden. Genau mit dieser Fragestellung und in diesem Zusammenhang stehe ich heute hier, um mich klar und überzeugt für die Nachhaltigkeits-Initiative "Keine 10-Millionen-Schweiz!" auszusprechen. Diese Initiative ist kein Ausdruck von Abschottung, sie ist ein Appell an unsere Verantwortung: an unsere Verantwortung gegenüber unserer Umwelt, gegenüber unserer Infrastruktur und vor allem gegenüber den kommenden Generationen. Denn was nützt uns Wachstum, wenn es die Lebensqualität kommender Generationen untergräbt?

Planerinnen und Planer aller Sparten sehen die Folgen ungebremster Zuwanderung ganz konkret - die Nachfrage nach Wohnraum explodiert, die Verdichtung nimmt zu, Grünflächen verschwinden, die Baukosten steigen. Gewisse Teile der Schweiz sind heute davon bedroht, sich in eine Betonlandschaft zu verwandeln, in der Lebensqualität und Nachhaltigkeit auf der Strecke bleiben. Genau an diesem Punkt setzt die Initiative ein klares Ziel: Vor dem Jahr 2050 darf die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz 10 Millionen Menschen nicht überschreiten. Das ist kein radikaler Schnitt, wie hier oft gesagt worden ist, sondern ein vernünftiger Rahmen, der es uns erlaubt, vorausschauend zu planen. Denn nachhaltige Architektur und Raumplanung brauchen Zeit, Raum und Ressourcen, und zumindest Raum und Ressourcen sind eben endlich.

In diesem Zusammenhang hinterfrage ich gewisse Argumente der politischen Gegner. Wer davon spricht, dass eine 10-Millionen-Schweiz problemlos machbar sei, oder, noch schlimmer, wer sogar davon spricht, dass zwölf Millionen Menschen in unserem Land gut zu bewältigen seien, hat sich aus meiner Sicht nicht allzu gross mit Raumplanung beschäftigt. Noch viel schlimmer ist Folgendes, das ärgert mich als Bündner: Wer davon spricht, dass ein 15-Minuten-Dorf anzustreben sei, wo eben die Orte für Arbeit, Wohnen und Ausbildung innerhalb eines Radius von 15 Minuten erreichbar seien, der greift uns Bündner und alle anderen Bergregionen an. Denn dies fördert die Entvölkerung unserer Talschaften und verhindert auch in Zukunft eine dezentrale Besiedlung.

Sie sehen: Wir brauchen keine überhastete Nachverdichtung, sondern eine durchdachte Stadt- und Raumentwicklung. Wir brauchen auch keine überlasteten Infrastrukturen, sondern resiliente Systeme, die auch in Zukunft funktionieren. Die Initiative fordert, dass Bund und Kantone Massnahmen ergreifen, sobald die Bevölkerung 9,5 Millionen Menschen überschreitet. Das ist ein kluger Mechanismus, der frühzeitig greift und nicht erst dann, wenn es schon zu spät ist. Als Architekt begrüsse ich diesen vorausschauenden Ansatz ausdrücklich. Eine Schweiz, die die Bevölkerungsentwicklung nachhaltig und möglichst eigenständig steuert, ist eine Schweiz, in der auch architektonisch wieder mutiger, schöner und ökologischer gebaut werden kann.

Ich unterstütze diese Initiative mit voller Überzeugung und hoffe, dass auch Sie das tun.