Lexipedia

Rüegger Monika · Nationalrat · 2025-12-03

Rüegger Monika · Nationalrat · Obwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2025-12-03

Wortprotokoll

Die Erfahrungen und die Realität im Umgang mit dem Wolf in der Schweiz zeigen: Eine Regulierung der Wölfe mit dem revidierten Jagdgesetz und mit dem Nachtrag für proaktive Abschüsse von Problemwölfen reicht nicht aus. Trotz der letzten Revision bleiben viele Abschussbewilligungen in der Praxis wirkungslos. Die Zahlen sprechen für sich: 2023 konnten 55 von 100 Wölfen, deren Abschuss bewilligt worden war, erlegt werden. 2024 waren es 92 von 125, trotz steigender Schäden.

Gleichzeitig wächst die Wolfspopulation weiter. Wir haben heute rund 40 Rudel und über 320 Wölfe. Vor vier Jahren waren es noch 11 Rudel und 100 Wölfe. Heute streifen also viermal mehr Wölfe in der Schweiz umher als vor fünf Jahren. Die Wölfe sind längst nicht nur im Wallis, Tessin und Bündnerland anzutreffen, nein, in gewissen Regionen, etwa im Waadtland oder im Jurabogen, erreichen die Schäden eine [PAGE 2005] neue Dimension. Es geht längst nicht mehr nur um Schafe; 44 Rinder wurden dort gerissen. In meinem Kanton, in Obwalden, wurden in einem Jagdbanngebiet 40 Nutztiere auf einmal getötet, ohne dass eingegriffen werden konnte.

Diese Situationen sind für viele bäuerliche Betriebe nicht mehr tragbar. Alpen werden aufgegeben und nicht mehr bestossen. Die gerissenen und meistens noch lebenden Tiere leiden erheblich. Hier fragt sich schon, wo der Tierschutz bleibt. Schwer verletzte und lange leidende Nutztiere widersprechen klar unserem Anspruch an einen respektvollen Umgang mit Tieren. Unter der aktuellen Gesetzgebung ist eine wirksame Regulierung kaum möglich. Genau hier setzen die beiden Motionen, die auf ein zentrales Problem hinweisen, an.

Die Motion Broulis, die wir zuerst beraten, verlangt, dass genannte Problemwölfe, die erheblichen Schaden an Nutztieren anrichten und Menschen gefährden, durch Abschussbewilligungen ganzjährig reguliert werden können. Um eine Abschussverfügung zu erhalten, ist die Anzahl der durch denselben Wolf gerissenen Tiere innerhalb der Sömmerungsbetriebe und der Sömmerungsperiode ausschlaggebend. Nur: Die Realität zeigt, dass die Sömmerungsbetriebe und die Dörfer oft nahe zusammenliegen und die Wölfe nicht nur während der Sömmerungszeit Nutztiere reissen, sondern über das ganze Jahr. So will die Motion, dass Schäden ausserhalb der Sömmerungszeit stärker berücksichtigt werden. Das trägt der Realität Rechnung. Angriffe sind längst nicht mehr auf bestimmte Monate, Höhenlagen oder Orte beschränkt.

Der Bundesrat möchte zuerst evaluieren - wie das auch eine Minderheit der Kommission wünscht -, doch die Betroffenen brauchen jetzt Lösungen. Die enormen und zunehmenden Schäden passieren heute und nicht erst nach Abschluss eines Berichtes. Koexistenz funktioniert nur, wenn Regulierung als[NB]wirksam[NB]und[NB]fair[NB]erlebt[NB]wird.[NB]Derzeit[NB]ist[NB]das nicht der Fall.

Die Kommissionsmehrheit sieht hier also klaren Handlungsbedarf und empfiehlt Ihnen deshalb die Annahme der Motion Broulis.

Rüegger Monika · Nationalrat · 2025-12-03 | Lexipedia | Lexipedia