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Ryser Franziska · Nationalrat · 2025-12-18

Ryser Franziska · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion · 2025-12-18

Wortprotokoll

Dieser Rat ist gestern auf die Initiative "Modernen Pflanzenschutz in der Schweiz ermöglichen" eingetreten. Wer bei diesem Titel an Innovation, [PAGE 2470] an Wissenschaftlichkeit, an einen verantwortungsvollen Umgang mit Umwelt, Gesundheit und Landwirtschaft denkt, wird leider enttäuscht. Im Gegenteil: Mit dem vorliegenden Entwurf aus der Kommission würden rund 40 zusätzliche Pflanzenschutzmittel mit teilweise hochtoxischen Wirkstoffen in der Schweiz zugelassen und potenziell grossflächig in die Umwelt ausgebracht werden. Es sind Wirkstoffe, deren Risiken wir heute besser kennen als je zuvor. Über die Hälfte dieser Wirkstoffe wurde vor dem Jahr 2000 zugelassen. Der älteste stammt aus dem Jahr 1881; das war also vor 144 Jahren. Das war eine Zeit ohne moderne Toxikologie, ohne Kenntnisse über endokrine Disruptoren, ohne systematische Prüfung von Langzeitwirkungen, ohne differenzierte Bewertung von Abbauprodukten im Boden. Wer ernsthaft behauptet, solche Substanzen stünden für einen modernen Pflanzenschutz, der macht sich etwas vor oder versucht, uns etwas vorzumachen.

Auch die Grüne Fraktion will einen funktionierenden Pflanzenschutz. Unsere Landwirtschaft braucht wirksame Instrumente, um Erträge zu sichern und Ausfälle zu vermeiden. Genau deshalb haben wir die Motionen "Fast-Track-Zulassung bei Wirkstoffen mit geringen Risiken" unterstützt. So können insbesondere biologische Pflanzenschutzmittel ohne Risiko rasch geprüft und verfügbar gemacht werden, was im Interesse der Landwirtschaft, der Umwelt und der Konsumentinnen und Konsumenten ist.

Aber schnellere Zulassungen dürfen nicht Abkürzungen auf Kosten der Sicherheit bedeuten - schon gar nicht, wenn unter dem Titel der Modernisierung auf Wirkstoffe aus dem vorletzten Jahrhundert zurückgegriffen wird. In den Anhörungen haben wir sehr deutlich gehört, welche Risiken mit diesen Wirkstoffen verbunden sind. Viele bauen sich im Boden zu sogenannten Metaboliten ab. Diese Abbauprodukte sind nicht harmlos; sie können über Jahre im Boden verbleiben, ins Grundwasser gelangen und letztlich unser Trinkwasser belasten. Einige dieser Metaboliten stehen im Verdacht, krebserregend zu sein oder das Hormonsystem von Menschen und Tieren zu beeinflussen.

Genau deshalb hat die Europäische Union reagiert. Seit dem[NB]1.[NB]Mai 2022 gilt in der EU eine neue Richtlinie, welche die Toxizität dieser Metaboliten systematisch überprüft. Im November 2022 ist eine weitere Richtlinie in Kraft getreten, die Wirkstoffe gezielt auf ihre Eigenschaften als endokrine Disruptoren untersucht. Diese Prüfungen sind zentral. Sie bilden den heutigen wissenschaftlichen Mindeststandard. Wer sie ignoriert, handelt fahrlässig - gegenüber der Umwelt, gegenüber der Bevölkerung und letztlich auch gegenüber der Landwirtschaft, die auf sauberes Wasser und gesunde Böden angewiesen ist.

Mit der Ergänzung in Artikel 160a Absatz 1 beantrage ich, dass in der Schweiz nur diejenigen Wirkstoffe, Safener und Synergisten übernommen werden, die nach den aktualisierten EU-Richtlinien geprüft und zugelassen worden sind - nicht mehr und nicht weniger. Damit würden die Auswirkungen der übernommenen Zulassungen zumindest auf dem neuesten wissenschaftlichen Standard basieren, und wir nähern uns dem ursprünglichen Ziel an, uns auf den wirksamen, modernen Pflanzenschutz und nicht auf historische Geister zu fokussieren.

Ich danke Ihnen, wenn Sie diese Minderheit unterstützen.