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Gredig Corina · Nationalrat · 2026-03-03

Gredig Corina · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2026-03-03

Wortprotokoll

Ich spreche hier für die Minderheit, die wie der Bundesrat eine Kürzung von 15 Prozent bei der Qualitäts- und Absatzförderung beantragt. Bevor jetzt jemand befürchtet, wir wollten dem Schweizer Käse die Löcher wegnehmen oder dem Wein das Bouquet verwässern: Es geht hier nur um 15 Prozent Kürzung. Es geht also um eine massvolle Reduktion.

Was ist eigentlich Absatzförderung? Absatzförderung bedeutet, dass der Bund - also wir alle, die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler - Marketing für Schweizer Produkte mitfinanziert. Im Jahr 2026 gibt der Bundesrat dafür rund 70 [PAGE 54] Millionen Franken aus. Die grössten Posten waren in den letzten Jahren 23 Millionen Franken für die Switzerland Cheese Marketing AG, 9 Millionen Franken für Swiss Wine Promotion, 8 Millionen Franken für die Schweizer Milchproduzenten oder 5 Millionen Franken für Schweizer Fleisch. Wir sprechen hier nicht über Direktzahlungen für die Landwirtschaft, nicht über Versorgungssicherheit und nicht über Tierwohl, wir sprechen hier über Marketing, und da darf man bei allem Respekt vor Raclette, Merlot und Mostbröckli schon fragen: Ist es wirklich Aufgabe des Bundes, Werbung zu finanzieren?

Ich stelle eine weitere, vielleicht heiklere Frage: Wenn wir 23 Millionen Franken für Käse sprechen, warum nicht 23 Millionen Franken für Thurgauer Äpfel, für Aargauer Rüebli oder für Salat aus dem Seeland? Wo fängt es an, und wo hört es auf? Der Bund gerät hier in eine Rolle, die eigentlich schwierig ist. Er entscheidet indirekt, welches Produkt wie viel Sichtbarkeit verdient. Käse ja, Äpfel eher nein; Wein ja, Gemüse mit angezogener Handbremse. Das ist doch keine strategische Ernährungspolitik, das ist historisch gewachsene Verteilungspolitik.

Noch etwas: Wir alle wissen, dass Marketing heute professionell betrieben wird. Die Branchenorganisationen sind stark, sie sind gut vernetzt, sie sind wirtschaftlich relevant, sie machen ihre Arbeit gut, und es ist ihnen zuzutrauen, dass sie im Sinne der Eigenverantwortung einen grösseren Anteil ihrer Werbung mitfinanzieren können. Eine Kürzung um 15 Prozent ist nicht das Ende. Sie bedeutet, dass wir bei 70 Millionen Franken rund 10 Millionen Franken einsparen, 10 Millionen Franken in Zeiten, in denen wir überall Prioritäten setzen müssen. Es ist also kein Angriff, es ist ein Signal, dass wir sorgfältig mit Steuergeldern umgehen. Und es ist auch ein Signal, dass man Prioritäten setzen kann, selbst wenn es um Dinge geht, die hervorragend schmecken.

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