Schaffner Barbara · Nationalrat · 2026-03-16
Schaffner Barbara · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2026-03-16
Wortprotokoll
Der aktuelle Verlagerungsbericht zeigt eine Entwicklung, die uns zu denken geben muss. Die Schweiz verfolgt seit Jahrzehnten das klare Ziel, den alpenquerenden Güterverkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern. Dieses Ziel ist nicht nur ein Ziel dieses Parlamentes, sondern es wurde nach einer Volksabstimmung in unsere Bundesverfassung geschrieben.
Im Jahr 2024 überquerten rund 960[NB]000 Lastwagen die Schweizer Alpen. Das Verlagerungsziel liegt bei 650[NB]000 Fahrten pro Jahr, also deutlich darunter. Noch problematischer wird es, wenn wir auch die Entwicklung der letzten Jahre anschauen. Seit 2020 steigt die Zahl der alpenquerenden Lastwagenfahrten wieder an. Gleichzeitig hat der Schienengüterverkehr Marktanteile am alpenquerenden Verkehr verloren. Der neueste Verlagerungsbericht ist mehr als eine Bestandesaufnahme - er ist ein Weckruf.
Die Verlagerungspolitik war zwanzig Jahre lang eine Erfolgsgeschichte. Mit der LSVA, der Neat, der Förderung des kombinierten Verkehrs hat die Schweiz europaweit Massstäbe gesetzt. Noch immer liegt der Bahnanteil beim alpenquerenden Güterverkehr bei rund 70 Prozent. Das ist deutlich höher als in den Nachbarländern, aber kein Grund, uns auf den Lorbeeren auszuruhen. Denn der Bericht zeigt, dass es auch Probleme gibt. Die Infrastruktur auf den internationalen Zulaufstrecken ist vielerorts überlastet und unzuverlässig. Baustellen und Engpässe beeinträchtigen den Betrieb, und gleichzeitig steigen die Kosten im Schienengüterverkehr stärker als auf der Strasse. Die Folgen sind klar: Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und Rückverlagerung auf die Strasse. Wenn wir diese Entwicklung einfach hinnehmen, riskieren wir, dass die Verlagerungspolitik schrittweise ausgehöhlt wird. Deshalb müssen wir uns ehrlich fragen: Reichen die bestehenden Instrumente noch aus?
Der Verlagerungsbericht selbst zeigt, dass die bisherigen Massnahmen zwar wirksam sind, aber nicht mehr genügen, um das Verlagerungsziel zu erreichen. Es braucht eine Weiterentwicklung der Verlagerungspolitik. Dazu gehört erstens, dass wir den kombinierten Verkehr weiterhin gezielt fördern; er ist das Rückgrat der Verkehrsverlagerung. Zweitens müssen wir international stärker Druck machen, damit die Zulaufstrecken zur Neat endlich ausgebaut werden. Eine Milliardeninvestition wie die Neat kann ihre Wirkung nur entfalten, wenn auch die europäischen Korridore funktionieren. Drittens müssen wir prüfen, welche zusätzlichen Instrumente notwendig sind, um den Strassentransit im Sinne des Alpenschutzartikels zu begrenzen. Wenn die Zahl der Transitfahrten wieder steigt, dürfen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
Die Grünliberale Fraktion hat den Weckruf des Verlagerungsberichtes gehört und unterstützt die beiden gleichlautenden Motionen der KVF-N und der KVF-S zum Schutz der Alpen, des Klimas und für eine nachhaltige Gütermobilität.