Rumy Farah · Nationalrat · 2026-03-17
Rumy Farah · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2026-03-17
Wortprotokoll
Beschimpfungen, Drohungen, tätliche Angriffe: Für viele Mitarbeitende im Gesundheitswesen ist das leider keine Ausnahme mehr, sondern Teil des Berufsalltags. Gewalt gegen Gesundheitspersonal ist auch in der Schweiz längst kein Randphänomen mehr. Rund 90 Prozent des Gesundheitspersonals erleben im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn physische oder psychische Übergriffe. Einzelne Institutionen reagieren jedes Jahr auf Hunderte Vorfälle. Das hat Konsequenzen für das gesamte System. Gewalt wirkt sich nicht nur auf die Betroffenen aus, sondern hat auch strukturelle Folgen. Sie trägt dazu bei, dass Fachpersonen den Beruf verlassen oder gar nicht erst einsteigen. In einem Gesundheitswesen, das bereits unter einem erheblichen Fachkräftemangel leidet, ist das ein ernstes Problem.
Trotz dieser alarmierenden Entwicklung fehlt eine nationale Datenerfassung. Gewalt wird vielerorts oft nicht systematisch dokumentiert, was die Prävention und die politische Steuerung erschwert. Gleichzeitig sind viele Institutionen mit der Entwicklung adäquater Schutzkonzepte überfordert. Auch der Zugang zu rechtlichem Schutz und Opferhilfe für das Gesundheitspersonal ist nicht überall gewährleistet.
Umso erstaunlicher ist es, dass wir bis heute keine nationale Übersicht über Gewaltvorfälle im Gesundheitswesen haben. Wir wissen zu wenig darüber, wo Gewalt besonders häufig vorkommt, in welchen Situationen sie eskaliert und welche Massnahmen tatsächlich wirksam sind. Mit anderen Worten: Wir diskutieren ein reales Problem, aber auf der Basis einer unzureichenden Datengrundlage. Ohne Daten können wir weder gezielt handeln noch wirksame Schutzmassnahmen entwickeln. Wir agieren also im Blindflug.
Das Gesundheitswesen besteht zu drei Vierteln aus Frauen. Die einzige Berufsgruppe, die statistisch gesehen noch häufiger Gewalt erlebt als das Gesundheitspersonal, ist das Sicherheitspersonal. Eine der Berufsgruppen mit der höchsten Gewaltbelastung in unserem Land ist also ein Berufsfeld, das mehrheitlich von Frauen getragen wird. Das sollte uns allen zu denken geben.
Wenn wir dieses Postulat nicht annehmen, senden wir dem Gesundheitspersonal das falsche Signal, und zwar, dass es uns nicht wichtig ist und dass wir nicht einmal bereit sind, das Ausmass dieses Problems systematisch zu erfassen. Gewalt gegen das Gesundheitspersonal ist eine Herausforderung, die das gesamte Gesundheitssystem betrifft. Dieses Postulat verlangt lediglich, dass wir hinsehen, analysieren und eine Datengrundlage schaffen.
Ich bitte Sie, ein wichtiges Zeichen gegen Gewalt zu setzen und das Postulat anzunehmen.