Arslan Sibel · Nationalrat · 2026-04-27
Arslan Sibel · Nationalrat · Basel-Stadt · Grüne Fraktion · 2026-04-27
Wortprotokoll
Bereits 2021 haben wir uns im Nationalrat deutlich dafür ausgesprochen, eine umfassende Strategie zur Erleichterung der beruflichen Wiedereingliederung von Personen festzulegen, die den Arbeitsmarkt für mehrere Jahre verlassen haben. Daraufhin hat der Bundesrat in Erfüllung meines Postulates 20.4327 den Bericht "Wiedereinstieg und Verbleib in der Erwerbstätigkeit von Frauen mit Kindern" veröffentlicht. In diesem Bericht hat der Bundesrat zwar Handlungsbedarf festgestellt, die eigentliche Forderung, nämlich ein Massnahmenplan zur Erleichterung des Wiedereinstiegs von Frauen in die Arbeitswelt sowie eine umfassende Strategie, wurde jedoch nicht umgesetzt. Der Bericht weist zudem methodische Mängel auf: Es wurden online 1000 Frauen befragt. Menschen, die der Arbeitswelt fernstehen, verfügen jedoch möglicherweise nicht über ausreichende IT-Kenntnisse und wurden potenziell gar nicht erreicht. Zudem wurden qualitative Interviews nur mit Vertretern von Branchenverbänden und Arbeitgebenden geführt, nicht aber mit Vertretern von Gewerkschaften.
Nun zum inhaltlichen Teil: Der Bericht empfiehlt erstens, die Kosten der familienergänzenden Kinderbetreuung zu senken. Konkrete Massnahmen, um dieses Ziel zu erreichen, sieht der Bundesrat jedoch nicht vor. Zweitens setzt der Bundesrat ausschliesslich auf den Druck, den die Arbeitgebenden aufgrund des Fachkräftemangels verspüren, um familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Diese Aufgabe allein den Arbeitgebenden zu überlassen, ist nicht verantwortbar. Der Bericht empfiehlt weiter, die Sensibilisierung, Beratung und Schulung zu verstärken, insbesondere in Bezug auf die Folgen eines Ausscheidens aus dem Arbeitsmarkt. Das ist wichtig, aber bei Weitem nicht ausreichend.
Es ist an der Zeit, dass der Bundesrat die Herausforderung erkennt und gemeinsam mit den Kantonen sowie den verschiedenen institutionellen Akteuren eine echte Strategie zur Unterstützung der Rückkehr ins Erwerbsleben erarbeitet. Diese Strategie soll eine mehrmonatige Begleitung, Weiterbildungsmassnahmen sowie die Finanzierung der direkten und indirekten Kosten umfassen, die eine Rückkehr ins Arbeitsleben mit sich bringt.
Durch Innovation und technischen Fortschritt wird die Wissenslücke nach einer Erwerbspause immer schneller immer grösser. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben wird dadurch zunehmend schwieriger. Wenn wir Familienpausen kürzen können und mehr Eltern wieder ins Erwerbsleben zurückkehren, profitiert die gesamte Wirtschaft davon. Investitionen in die Rückkehr ins Erwerbsleben lohnen sich also auch finanziell.
Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für die Gleichstellung und zur Bekämpfung des Fachkräftemangels braucht es eine nationale Gesamtstrategie zur Unterstützung und Erleichterung der Rückkehr von Personen, die seit mindestens fünf Jahren nicht mehr erwerbstätig waren. [GZ]
Ich bitte Sie, meine Motion zu unterstützen. [PAGE 682]