Gartmann Walter · Nationalrat · 2026-04-27
Gartmann Walter · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2026-04-27
Wortprotokoll
Wir reden ständig von Integration, aber wir verhindern sie selbst. Viel zu wenige aufgenommene Asylanten bzw. Personen mit Schutzstatus S können einer Arbeit nachgehen oder gehen einer nach. Die Arbeitsaufnahme scheitert heute an Bürokratie und einem nicht koordinierten Asylprozess. Die administrativen Anforderungen für einen möglichen Arbeitgeber sind viel zu hoch, wenn man bedenkt, dass hier Personen integriert werden sollen, die oft keine Sprach- oder Fachkompetenzen mitbringen, welche für einen sinnvollen Arbeitseinsatz notwendig sind. Mit einer aufwendigen und anspruchsvollen Einarbeitungszeit wäre es eher möglich, arbeitswillige Personen in einen Arbeitsprozess zu integrieren. Es braucht hier sofort neue Impulse und Ideen, welche die Arbeitgeber und Gewerkschaften gerne miteinander definieren können.
Es ist während der Probezeit der betroffenen Personen unmöglich, die branchenüblichen Mindestlöhne zu entrichten, bevor diese nicht ihre Fähigkeit, ihre Zuverlässigkeit und den Willen, zu arbeiten, tatsächlich bewiesen haben. Asylanten haben meist weder einen gültigen Fähigkeitsausweis noch ein repräsentatives Arbeitszeugnis. Genau diese Diskrepanz hält die Arbeitgeber heute davon ab, in Personen zu investieren, welche sie möglicherweise nicht länger anstellen können und die teils nach wenigen Wochen nicht mehr zur Arbeit erscheinen. Letztere sollen die Möglichkeit bekommen, in in der Schweiz tätigen Industrien, Unternehmen, Kommunen, in der Gastronomie, der Land-, Wald- und Alpwirtschaft eine Probezeit zu absolvieren. Umgekehrt werden diesen Branchen so rasch und unbürokratisch neue Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt. Dies eröffnet für beide Parteien die Chance, bei erfolgreicher Probezeit einen langfristigen Arbeitsvertrag zu vereinbaren.
Zusammengefasst: Heute scheitert die Arbeitsintegration von Asylsuchenden und Personen mit Schutzstatus S nicht am Willen, sondern an unserer Bürokratie. Die Zuständigkeiten sind zersplittert und die Verfahren kompliziert. Am Ende steigt der Arbeitgeber aus, bevor überhaupt jemand eine Chance bekommt. Genau hier möchte diese Motion ansetzen. Die regionalen Arbeitsvermittlungszentren sollen schlank, schnell und unverbindlich gemeinsam mit den Kantonen und dem SEM koordinieren, bewilligen und vermitteln.
Und jetzt zum entscheidenden Punkt: Arbeitgeber tragen heute das volle Risiko für Personen ohne Sprachkenntnisse, ohne Diplome, ohne Referenzen. Das ist realitätsfremd. Darum braucht es eine echt kostengünstige Probezeit, nicht als Geschenk, sondern als Investition in eine Integration.[NB]Wer[NB]arbeitet,[NB]integriert sich; wer integriert ist, kostet weniger - so einfach ist das. Wir geben damit Betrieben einen Anreiz und Menschen eine Chance; das wäre hier genau der Fall.
Ich möchte noch erwähnen, dass ich damals, als ich die Motion schrieb, nicht wusste, dass die regionalen Arbeitsvermittlungszentren teilweise Mühe beim Auszahlen von Arbeitslosengeldern bekunden. Aber ich denke, sie sind schweizweit [PAGE 685] organisiert und könnten diese Organisation von Integration gut wahrnehmen.