Hässig Patrick · Nationalrat · 2026-04-29
Hässig Patrick · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2026-04-29
Wortprotokoll
Es beginnt nicht mit Gewalt, es beginnt mit Worten, mit Bildern, mit scheinbar harmlosen Videos: Ein paar Minuten auf Tiktok oder anderen Plattformen, und wir stossen auf Inhalte, die Frauen verachten, Gewalt verherrlichen und ein Männerbild propagieren, das auf Dominanz und Abwertung basiert. Die Zielgruppe sind unsere jungen Männer, auch hier in der Schweiz. Die Frage ist: Schauen wir weiter zu, oder handeln wir?
Dieses Postulat, "Verminderung von Gewalt an Frauen durch ganzheitliche Lösungsansätze", ist kein Schnellschuss: Es ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit, die es in diesem Haus so noch nie gegeben hat. Dass Männer sich in ihrer Rolle als Politiker zusammenfinden und gemeinsam für ein geschlechterpolitisches Anliegen einstehen, ist ein Novum. Uns ist es wichtig, uns konstruktiv einzubringen und gemeinsam geschlechtsspezifischer Gewalt entgegenzuwirken. Es ist eine Zusammenarbeit zwischen Mike Egger, Simon Stadler, Heinz Theiler, Cédric Wermuth, Gerhard Andrey und mir - sechs Männer, sechs Parteien, von links über das politische Zentrum bis nach rechts.
Vor fast zwei Jahren hat Kollege Andrey diese Männergruppe zusammengebracht und sich reingekniet - sie hält im Parlament bis heute zusammen. In vielen Fragen sind wir uns nicht einig, in einem Punkt aber schon: Gewalt, insbesondere gegen Frauen, ist in unserer Gesellschaft ein Problem. Wir dürfen nicht länger wegschauen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im Jahr 2025 wurden in der Schweiz[NB]27[NB]Frauen[NB]und[NB]Mädchen von Partnern, Ex-Partnern oder Familienmitgliedern getötet - 27 Leben, 27 Geschichten, 27 Tragödien. Das ist kein Randphänomen, das ist Realität.
Diese Gewalt entsteht nicht im luftleeren Raum, sie hat Ursachen, sie hat Muster, sie hat auch kulturelle und gesellschaftliche Prägungen. Genau hier setzt unser Postulat an: Wir verlangen keine vorschnellen Antworten, wir verlangen Grundlagen. Wer sind die Täter? Wer sind die Opfer? Welche Rolle spielen soziale Medien, familiäre Prägungen und gesellschaftliche Normen? Und vor allem: Welche Massnahmen wirken wirklich - Prävention, Sanktion oder beides? Das soll der Bundesrat untersuchen. Es geht um Wissen. Ohne Wissen gibt es keine wirksame Politik.
Etwas ist zentral: Wir dürfen junge Männer nicht pauschal verurteilen oder stigmatisieren, aber wir dürfen auch nicht ignorieren, wenn Jungs online schutzlos gezielt angegangen und radikalisiert werden. Wenn Organisationen wie der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, maenner.ch, davon sprechen, soziale Medien seien Treiber männlichkeitsideologischer Radikalisierung, dann sollten wir hinhören und nicht wegsehen. Unser Ziel ist nicht Schuldzuweisung, unser Ziel ist Verantwortung. Dieses Postulat ist ein Zeichen, ein Zeichen, dass wir bereit sind, Gräben zu überwinden, dass Männer in diesem Parlament Verantwortung übernehmen, dass wir gemeinsam Lösungen und nicht ideologische Schlagabtausche suchen.
Von der einen Seite wird das Problem teilweise relativiert, von der anderen wird es manchmal delegiert, aber Gewaltprävention ist keine Frage von links oder rechts, sie ist eine Frage des Anstands, der Verantwortung und der Sicherheit. [PAGE 766]
Wir stehen an einem Punkt, an dem wir entscheiden müssen: Wollen wir reagieren, wenn es zu spät ist? Oder wollen wir verstehen, bevor es eskaliert? Dieses Postulat ist ein erster notwendiger Schritt. Geben wir dem Bundesrat den Auftrag hinzusehen! Geben wir uns die Grundlage, richtig zu handeln!
Ich bitte Sie deshalb: Unterstützen Sie dieses Postulat für eine Gesellschaft, in der Gewalt keinen Platz hat.