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de Meuron Andrea · Nationalrat · 2026-06-09

de Meuron Andrea · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2026-06-09

Wortprotokoll

Es ist meine erste Rede in diesem Rat, und vielleicht ist es kein Zufall, dass ich sie zur Atomkraft halte. Die Debatten rund um Atomkraftwerke haben mich nämlich politisiert. Schon früh habe ich mich gefragt, ob es verantwortbar ist, auf eine risikoreiche Technologie zu setzen, deren Brennstoff wir nicht einmal selbst besitzen, deren Abfallentsorgung ungelöst ist und deren Kosten kommende Generationen tragen müssen. Und das war, lange bevor die Stimmbevölkerung den schrittweisen Atomausstieg beschlossen hat.

Heute stehe ich hier mit einer klaren Überzeugung. Neue AKW sind nicht die Antwort auf die energiepolitischen Herausforderungen der Schweiz. Für mich gibt es drei zentrale Gründe, weshalb ich Nein zu neuen AKW und Nein zu den Vorlagen sage:

1.[NB]Neue AKW kommen für die Versorgungssicherheit schlicht zu spät. Viele Menschen sorgen sich um die Stromversorgung, und diese Sorge ist verständlich. Aber neue AKW lösen die Probleme nicht, die wir heute kennen. Bis ein neues AKW in der Schweiz Strom produzieren würde, vergehen Jahrzehnte. Die Herausforderungen bei der Versorgungssicherheit und beim Klimaschutz haben wir aber heute. Zudem würden neue AKW Milliarden binden. Dieses Geld fehlt beim Ausbau von Wasserkraft, Solarenergie, Speichern und Stromnetzen. Also genau dort fehlt das Geld, wo wir unsere Versorgungssicherheit rasch und wirksam stärken können.

2.[NB]Atomkraft macht die Schweiz abhängig. Die Schweiz verfügt über Wasser, sie verfügt über Sonne und Wind, aber definitiv nicht über Uran. Wer auf Atomkraft setzt, macht sich also abhängig von internationalen Lieferketten und geopolitischen Entwicklungen. Wir haben doch gerade in den letzten Jahren deutlich gelernt, wie riskant energiepolitische Abhängigkeiten sein können, und wir kennen die resultierenden hohen Energiepreise für die Bevölkerung und die Wirtschaft, die entsprechend belastet wird. Erneuerbare Energien hingegen stärken unsere Unabhängigkeit und nutzen Ressourcen, die wir im eigenen Land haben.

3.[NB]Atomkraft bleibt eine Risikotechnologie. Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass das Restrisiko nicht nur theoretisch existiert. Die geopolitische Lage erinnert uns daran, dass heute auch neue Risiken berücksichtigt werden müssen. Kernkraftwerke gehören in Konflikt- und Kriegszeiten zu den besonders verletzlichen Infrastrukturen eines Landes. Hinzu kommen die radioaktiven Abfälle. Wir produzieren den Abfall, der über Generationen hinweg gefährlich bleibt, und überlassen die Verantwortung dafür unseren Nachkommen. Das ist keine nachhaltige Politik.

Die Schweiz braucht eine sichere, saubere und unabhängige Stromversorgung. Die Zukunft liegt in Wasserkraft, Solarenergie, Windkraft, Effizienz und Speichern. In diesen Bereichen können wir heute handeln und stärken damit unsere Versorgungssicherheit. Neue AKW sind die falsche Antwort auf bekannte Herausforderungen. Die Bevölkerung will nicht weniger Energiewende, sondern mehr Versorgungssicherheit.

Darum ein klares Nein zur Initiative und zum Gegenvorschlag, nicht aus Ideologie, sondern aus Verantwortung gegenüber unserer Versorgungssicherheit, unserer Unabhängigkeit und den kommenden Generationen.

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