Stämpfli Fabienne · Nationalrat · 2026-06-15
Stämpfli Fabienne · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion · 2026-06-15
Wortprotokoll
Seit ich denken kann, beschäftigen uns die Folgen des Reaktorunfalls von Tschernobyl. Und vor 15 Jahren erschütterte die Katastrophe von Fukushima die Welt. Die Schweizer Bevölkerung hat daraufhin mit der Energiestrategie 2050 einen klaren Richtungsentscheid getroffen und diesen Weg seither mehrfach bestätigt. Auch aktuelle Befragungen zeigen, dass eine grosse Mehrheit hinter dem Ausbau der Solarenergie und der Wasserkraft steht.
Neue Atomkraftwerke sind keine Antwort auf die Herausforderungen unserer Energiezukunft. Sie kommen zu spät, sind zu teuer und setzen auf eine Technologie, die längst von flexibleren und günstigeren Lösungen überholt worden ist. Selbst wenn heute ein Neubau beschlossen würde, würde er erst in vielen Jahren oder Jahrzehnten Strom liefern, zu einem Zeitpunkt, an dem wir die Energiewende längst umgesetzt haben müssen.
Auch die Sicherheitsfragen bleiben ungelöst. Das betrifft nicht nur den Betrieb der Anlagen selbst, sondern auch den Schutz vor Angriffen und Terrorismus sowie die Verantwortung für die sichere Lagerung radioaktiver Abfälle über Jahrtausende hinweg. Wer neue AKW fordert, muss Antworten auf diese Risiken liefern, Antworten, die bis heute fehlen. Hinzu kommt die ungeklärte Finanzierung, sowohl bezüglich der Frage, wer die Investitionen für den Bau und Betrieb eines neuen AKW tragen würde, als auch bezüglich der Haftungsfrage im Katastrophenfall. Das finanzielle Risiko wird so oder so die Allgemeinheit zu tragen haben.
Die Zukunft unseres Stromsystems ist nicht starrer Bandstrom aus Grosskraftwerken. Die Zukunft ist erneuerbar, dezentral und flexibel. Sie basiert auf einer intelligenten Vernetzung von Produktion, Speicherung und Verbrauch. Genau dafür steht die 4-E-Strategie der GLP: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Europa. Sie verbindet Klimaschutz mit Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit und zeigt den Weg zu einer klimafreundlichen, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung auf. Die entscheidende Frage ist nicht, welche Technologie uns an die Vergangenheit erinnert, sondern welche Lösungen die Herausforderungen der Zukunft bewältigen.
Deshalb lehne ich die Blackout-Initiative und den Gegenvorschlag ab.