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AB 376970

Ryser Franziska · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion · 2026-06-15

Wortprotokoll

Wenn wir etwas in unserem Leben brauchen, dann ist es Energie: damit unsere Verkehrssysteme funktionieren, Verwaltungen arbeiten, Produktionsstätten laufen und Lieferketten funktionieren. In der Vergangenheit haben wir uns wenig Gedanken machen müssen, woher diese Energie kommt. Sie war einfach da, verfügbar und günstig. Wir haben sie genutzt und damit unsere Städte gebaut, die Landschaft kultiviert, Autos und Flugzeuge betrieben und Wohlstand geschaffen. Doch die Welt hat sich verändert, und die Frage, woher unsere Energie kommt, wie nachhaltig sie erzeugt wird und wie viel wir verbrauchen können, ist zu einer der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit geworden.

Angesichts des Klimawandels und der geopolitischen Spannungen ist es unsere grosse Aufgabe, die Energiewende zu schaffen, denn sie ist der Schlüssel zur Unabhängigkeit und zur Erreichung unserer Klimaziele. Wir haben dafür gute Voraussetzungen.

Erstens sind unsere Landschaften - die Berge, Seen, Wälder, Wiesen um uns herum - die Ressourcen für die Energiewende der Zukunft. So wie sich Generationen vor uns die Natur für ihre Zwecke nutzbar gemacht haben, werden heute Sonnenkollektoren gebaut und Windmühlen in die Landschaften integriert; so werden die vom Menschen geprägten Landschaften mit einem Abdruck unserer heutigen Zeit weiterentwickelt.

Zweitens sind unsere Sicherheit und Stabilität zu nennen: In der Schweiz sind wir es gewohnt, dass Züge pünktlich fahren, Regale gefüllt sind, Bankautomaten funktionieren. Diese Stabilität gibt uns Vertrauen und das Gefühl, dass wir im Notfall für uns selbst sorgen können. Aber diese Sicherheit ist brüchig, solange wir auf Energieimporte angewiesen sind. Nicht nur Gas und Erdöl stammen aus dem Ausland, sondern auch Uran - mehrheitlich aus autokratischen Staaten. Wahre Sicherheit gewinnen wir nur mit Energien, die wir hier bei uns nutzbar machen können: Sonne, Wasser, Wind, Erdwärme - das sind die Heimatenergien, auf die wir bauen müssen.

Drittens ist unsere Innovationskraft zu nennen: Wir sind Weltmeisterin in Bildung, Forschung und Entwicklung. Genau das brauchen wir jetzt, denn unser Energiesystem steht vor einem historischen Wandel, es geht weg von alter, statischer, zentral produzierter Bandenergie, hin zu flexiblen, dynamischen, dezentralen Anlagen. Das ist keine Bedrohung, sondern eine Chance - eine Chance, unser Land moderner, unabhängiger und nachhaltiger zu machen.

Wir haben in der Schweiz also die besten Voraussetzungen für die Energiewende. Umso unverständlicher sind die Störmanöver der Atomlobby. Neue AKW sind keine Lösung, sie sind viel zu teuer und müssten massiv subventioniert werden, um mit den Marktpreisen von Solar- und Wasserstrom mithalten zu können. Ein Neubau ginge frühestens nach 2050 ans Netz. Bis dahin müssen wir die fossilen Energieträger und AKW, deren Betriebszeit ausgelaufen ist, sowieso ersetzt haben. Diese Voraussetzungen sind so unattraktiv, dass gar niemand in ein neues AKW investieren will.

Weshalb diskutieren wir dann heute über eine solche Initiative und einen Gegenvorschlag, der am Ende des Tages gar kein neues AKW bringen kann? Diese Initiative hat ein Ziel: davon abzulenken, was wir eigentlich tun müssen, um die Energieversorgung zu sichern, nämlich geeignete Dächer und Fassaden mit Solarpanels bestücken, Geräte effizienter machen und Strom lokal produzieren. Mit dem leeren Versprechen von neuen AKW wollen die Initianten die Bereitschaft der Bevölkerung schwächen, ihren Beitrag zu leisten. Wieso soll ich noch privat in eine Fotovoltaikanlage investieren, wenn bald ein neues AKW kommt? Diese Zweifel wollen sie mit ihrer Initiative wecken. So sabotiert die Atomlobby die Energiewende, und deshalb ist diese Initiative so brandgefährlich: für unsere Versorgungssicherheit, für die Erreichung unserer Klimaziele und für die Energiewende.

Wir dürfen uns nicht täuschen lassen: Die Atomkraft ist eine Energie aus der Vergangenheit. Die Zukunft ist grün, sicher, erneuerbar. Wir haben es in der Hand, eine echte Zukunft zu schaffen und die Energiewende umzusetzen.

Der erste Schritt dazu ist, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen und den Gegenvorschlag abzulehnen.