Giezendanner Benjamin · Nationalrat · 2026-06-15
Giezendanner Benjamin · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2026-06-15
Wortprotokoll
Die Schweiz steht ganz bestimmt vor einer energiepolitischen Herausforderung, womöglich vor der grössten energiepolitischen Herausforderung ihrer Geschichte. Es gilt nämlich, die fossilen Energieträger abzulösen und Strom zu fördern. Wärmepumpen, Elektroheizungen, Elektrofahrzeuge, aber auch industrielle Prozesse, welche dekarbonisiert werden, werden die Abhängigkeit von Strom massiv erhöhen. Der Stromanteil am gesamten Primärenergieanteil wird bis 2050 von 27 auf über 50 Prozent zunehmen. Die entscheidende Frage ist also heute, woher dieser Strom stammen soll, insbesondere im Winterhalbjahr.
Die Schweiz hat heute eine relativ hohe Stromabhängigkeit, aber die meisten Quellen befinden sich in unserem Land - mit Kernkraft, mit Wasser, ja sogar mit Fotovoltaikanlagen. 2032/33 werden die Blöcke 1 und 2 von Beznau ausser Betrieb gestellt. Sie können sich vorstellen, dass da Terawattstunden an Strom fehlen werden. Die Elcom hat bereits gesagt, dass wir für die Stromversorgung Reservekapazitäten mit einer Leistung von 700 bis 1400 Megawatt benötigen werden, welche dann wahrscheinlich dauernd laufen werden. Zum Vergleich: Beznau 1 und 2 erbringen zusammen etwa 700 Megawatt Leistung. Bei einer Leistung von 1400 Megawatt sprechen wir schon von Leibstadt. Wir müssen uns heute also die Frage stellen, wie wir diese Energie produzieren können. Unsere Nachbarländer werden im Winterhalbjahr, sollten sie eine Knappheit haben, den Strom mit Sicherheit nicht in unser Land liefern, sofern dies physikalisch überhaupt möglich ist. Wir werden auf uns selbst gestellt sein. Insbesondere haben wir auch gar nicht die Leitungen, um derart grosse Kapazitäten zu gewährleisten.
Wir müssen uns also fragen, woher dieser Strom zukünftig stammen soll. Fotovoltaikanlagen auf den Dächern, so habe ich von meiner Vorrednerin, von Ihnen, gehört, sei das grosse Potenzial. Weshalb drosseln wir dann bei der Fotovoltaik in vielen Gemeinden und Städten im Sommerhalbjahr bereits auf 70 Prozent runter? Weshalb können wir diesen Strom nicht mehr brauchen? Weil er minderwertig ist. Er hat nicht gleich viel Wert wie der Bandstrom aus Kernkraft, aus Wasserkraft oder sogar aus Windkraft.
Wenn wir bei der Windkraft sind: Wo stehen wir heute? Wir haben heute 0,2 Terawattstunden Strom pro Jahr aus der Windkraft. Wir sollten 2030 aber über 2 Terawattstunden erreichen. Das ist unmöglich, das ist illusorisch. Hier sollten wir uns fragen, was in unserer Verfassung steht; Sie alle haben darauf geschworen oder gelobt. Da steht nämlich, dass Bund und Kantone verpflichtet sind, eine ausreichende, sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung zu gewährleisten. Wenn wir heute nicht darüber sprechen, wie wir dies 2035 gewährleisten wollen, machen wir einen entscheidenden Fehler. Glauben Sie mir, der Markt wird die Versorgungssicherheit nicht gewährleisten. Dafür braucht es politische Entscheide, und die können wir heute mitunter fällen.
Wir müssen auch ehrlich sein: Wir werden in diesem Land Gaskraftwerke brauchen. Wir werden den Wegfall der Kernenergie aus Beznau 1 und 2 sowie den wachsenden Strombedarf sonst nicht bewältigen können. Es wird Gaskraftwerke brauchen. Ich möchte Sie auf der linken Seite einfach daran erinnern, woher das Flüssigerdgas schlussendlich stammt. Das werden nicht regenerative Energieformen sein; nein, es stammt aus Katar, aus Amerika und ist ganz bestimmt nicht mit unseren CO2-Zielen vereinbar.
Deshalb bitte ich Sie, dem Gegenentwurf sowie der Blackout-Initiative zuzustimmen, denn am Schluss müssen wir drei Fragen beantworten: Die erste Frage ist, wie wir unser zukünftiges Stromsystem gewährleisten wollen. Die zweite Frage ist, wie wir im Winter genügend Energie gewährleisten wollen, damit es in den Haushalten warm wird. Und die dritte Frage ist, ob wir ein Stromsystem wollen, mit dem wir europaweit, ja weltweit in der Industrie und im Gewerbe konkurrenzfähig sind, nämlich mit preiswertem Strom, mit CO2-armem Strom. Dafür braucht es womöglich auch Kernenergie.
In diesem Sinne danke ich Ihnen, dass Sie diese zwei Anträge unterstützen.