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Strahm Rudolf · Nationalrat · 2000-06-05

Strahm Rudolf · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-06-05

Wortprotokoll

Ich spreche zur Motion Theiler und gleichzeitig zu meiner Interpellation 99.3073. Ich bitte Sie, die Motion Theiler als Motion zu unterstützen; ich werde das auch begründen. Von der Antwort auf meine Interpellation bin ich teilweise befriedigt.

Zur Motion Theiler: Sie entspricht etwa der Stossrichtung von vier Vorstössen, die in der Frühjahrssession unter dem Druck der verschärften Situation eingereicht worden sind: nämlich die drei Parlamentarischen Initiativen von Herrn Theiler (00.411), Frau Simoneschi (00.409) und mir (00.410). Auch aus der SVP ist von Herrn Pfister eine Interpellation in gleicher Richtung eingereicht worden (00.3067). Alle Vorstösse möchten eigentlich, dass der Bund jetzt aktiv wird, und zwar sehr rasch.

Es sind 10 000 bis 20 000 Informatiker und Informatikerinnen, die auf dem Arbeitsmarkt fehlen, das ist unbestritten. Es geht nun darum, zwei Schienen zu verfolgen. Die erste Schiene ist, die Zahl der Lehrstellen zu erhöhen. Da haben wir erste Ansätze mit dem Lehrstellenbeschluss II, der zum Beispiel das Basisjahr der Betriebe finanziert. Die zweite Schiene - das ist jetzt auch die zusätzliche Stossrichtung von Herrn Theiler - ist, dass wir Umschulungen vornehmen und Weiterbildungen ermöglichen und allenfalls finanzieren.

Ich möchte das am Beispiel einer grossen Firma zeigen. Die Swisscom kündigt 3000 bis 4000 Entlassungen an. Sehr oft trifft das Leute, die eigentlich gut ausgebildet sind im Analogbereich, also Analogtechniker, Feinapparate- oder Elektrotechniker. Die werden jetzt wegen des technologischen Wandels nicht mehr gebraucht. Aber gleichzeitig hat die Firma angekündigt, sie brauche 2000 neue Leute aus dem Digitalbereich. Jetzt ist es doch sinnvoll, dass wir nicht warten, bis die Jungen, Zwanzigjährigen kommen, sondern es ist sinnvoll, dass wir auch Dreissig-, Vierzig- und Fünfzigjährige, wenn sie wollen und können, noch umschulen. Techniker im Analogbereich können sehr viel. Nur sind diese jetzt nicht mehr geeignet, den Strukturwandel allein zu bewältigen. Man kann sie nicht einfach aufs Abstellgleis befördern, sondern man muss sie umschulen.

Dafür braucht es jetzt Umschulungsprogramme privater und öffentlicher Natur, zertifiziert vom Bund, das ist eine wichtige Bedingung. Wir haben einen massiven Strukturwandel von der Analogtechnik zur Digitaltechnik, vom Handel zum E-Commerce, vom Bankbeamten zum E-Banking, in der Maschinenbranche vom Maschinentechniker zum Hightech-Facharbeiter.

Nochmals: Wir können nicht warten und die Dreissig- und Vierzigjährigen jetzt aufs Abstellgleis stellen, als Tankwart oder Abwart arbeiten lassen und warten, bis die Neuausgebildeten kommen. Hier braucht es ein Umschulungsprogramm, ein Weiterbildungsprogramm, das Abschlüsse ermöglicht, die vom Bund anerkannt und zertifiziert sind, damit der Personalchef X. weiss, welche Ausbildung hinter diesem Diplom steckt.

Ich werde jetzt konkret; das entspricht den Vorstössen vom März dieses Jahres. Ich stelle mir vor, dass der Bundesrat zusammen mit der WBK - es handelt sich jetzt auch um ein Geschäft dieser Kommission - noch dieses Jahr eine Umschulungsoffensive vorbereitet, um hiesiges Personal umzuschulen. Ich denke, dass es für vier Jahre einen Rahmenkredit von mindestens 200 Millionen Franken braucht, analog zum Lehrstellenbeschluss II. Die Schulen und Ausbildungsstätten sollten schon Ende dieses Jahres wissen, was sie an zusätzlichen Bundesmitteln erwarten können, damit sie die entsprechenden Lehrgänge anbieten können.

Ich möchte Sie bitten, die Motion Theiler Georges zu unterstützen. Das wäre eine kleine Demonstration: Herr Theiler hat zu Recht gesagt, es gehe ihm zu langsam; mir geht es auch zu langsam. Mit dieser Motion hat der Bundesrat auch den Support des Parlaments für ein solches Programm, wenn er sich gegenüber dem Finanzminister durchsetzen [PAGE 487] muss. Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur wird ihm dann sicher mit Parlamentarischen Initiativen unter die Arme greifen.

Ich bitte Sie um Zustimmung zur Motion Theiler Georges.