Imhof Rudolf · Nationalrat · 2000-06-05
Imhof Rudolf · Nationalrat · Basel-Landschaft · Christlichdemokratische Fraktion · 2000-06-05
Wortprotokoll
Die KMU sind darauf angewiesen, dass Ingenieure und Ingenieurinnen mit Fachhochschulabschluss sehr rasch aktiv im Betrieb eingesetzt werden können. Die KMU brauchen in den meisten Fällen keine reinen wissenschaftlichen Mitarbeiter, sondern Techniker, die mit sehr gutem wissenschaftlichem Hintergrund praktische Probleme angehen und einer Lösung zuführen können. Dazu haben wir Fachhochschulen geschaffen, und darin liegt die Stärke der Absolventen von Fachhochschulen.
Die Berufslehre schafft die ideale Voraussetzung, um diese praktische Begabung zu entwickeln. Der Königsweg - ich nenne ihn bewusst so - zur Fachhochschule, Departement Technik, führt nach wie vor über eine abgeschlossene Berufslehre. Um in die Fachhochschule eintreten zu können, müssen Kandidatinnen und Kandidaten mit abgeschlossener Berufslehre, aber ohne Berufsmaturität, die Aufnahmeprüfung bestehen. Anders ist es bei den Kandidatinnen und Kandidaten mit gymnasialer Matur respektive kaufmännischer Berufsmatura: Ihr Eintritt in die Fachhochschule erfolgt ohne technische Prüfung, wenn sie eine minimale Praxiserfahrung von zwölf Monaten vorweisen können.
Wir wissen doch, dass die Absolvierung eines Praktikums noch keine Gewähr dafür bietet, dass eine Absolventin oder ein Absolvent einer solchen "Schnupperlehre" die gleichen Voraussetzungen mitbringt wie der Absolvent einer Berufslehre. So kommt es vor, dass Kandidatinnen und Kandidaten mit abgeschlossener Berufslehre die technische Prüfung nicht bestehen, während gymnasiale Maturandinnen und Maturanden mit einem ungleich kleineren technischen Verständnis und Wissen prüfungsfrei eintreten können.
Die KMU müssen heute rasch, flexibel und kundengerecht agieren. Sie benötigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fachhochschulen, die fachlich kompetent sind, aber vor allem auch aufgrund der betrieblichen Praxis Lösungen anbieten können. Zudem wird nach meiner Meinung der innere Wert des Fachhochschulabschlusses mittel- und langfristig durch Absolventen ohne technisches Know-how und ohne die vertieften Kenntnisse eines Berufsabschlusses grundlegend infrage gestellt.
Der Bundesrat schreibt das auch in seiner Antwort und gibt mir Recht. Er schreibt: "Der Bundesrat teilt die Auffassung des Motionärs, wonach der Wert des Fachhochschulabschlusses wesentlich von soliden beruflichen Kenntnissen abhängt. Der Praxisbezug der Absolvierenden stellt denn auch eines der wesentlichen Unterscheidungsmerkmale der Fachhochschulen gegenüber den universitären Hochschulen dar."
In der Botschaft zum Fachhochschulgesetz hat der Bundesrat auch darauf hingewiesen, dass Verhältnisse, wie sie beispielsweise an deutschen Fachhochschulen bestehen, wo über 50 Prozent der Studierenden vom Gymnasium herkommen, in der Schweiz nicht wünschbar sind.
Damit Sie mich richtig verstehen: Ich bin dafür, dass gymnasiale Maturandinnen und Maturanden an die Fachhochschulen gehen können. Sie sollen aber unbedingt einer fachtechnischen Prüfung unterzogen werden, wie das auch bei den Lehrabgängern der Fall ist. Ich kenne die Prozentzahlen nicht, aber ich denke, dass es sehr viel einfacher ist, zuerst eine Matur zu machen und an eine Fachhochschule zu gehen, als zuerst die Berufslehre zu absolvieren.
Ich denke, dass das jetzige Verhältnis nicht das richtige ist. Ich bitte Sie deshalb, diese Motion zu überweisen.