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Teuscher Franziska · Nationalrat · 2000-06-05

Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2000-06-05

Wortprotokoll

Meine Parlamentarische Initiative umfasst zwei Teile: Ich verlange erstens die Einführung eines Elternurlaubs und zweitens die Einführung von Urlaubstagen zur Betreuung kranker Kinder für Bundesangestellte.

Während in der Schweiz der Begriff "Elternurlaub" immer noch ein Fremdwort ist, anerkannte der Rat der Europäischen Union bereits 1996 die Bedeutung eines Elternurlaubs. Für ihn war klar, dass mit einem Elternurlaub die Gleichbehandlung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz verbessert wird und der Elternurlaub wichtig ist, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Den Mitgliedstaaten bleibt Spielraum, wie sie den Elternurlaub ausgestalten wollen.

Mit den bilateralen Verträgen haben wir den wirtschaftlichen Anschluss an Europa geschafft. Nun müssen wir uns daran machen, den sozialen und gleichstellungspolitischen Anschluss vorzubereiten. Von der Einführung eines Elternurlaubs würden alle - Vater, Mutter und Kind - profitieren.

Aus der Sicht des Kindes: Mit einem Elternurlaub verbessern wir die Startchancen für das Kind. Gute Eltern-Kind-Beziehungen bauen sich in den ersten Jahren des Lebens auf und sind für das künftige gemeinsame Leben etwas vom Wichtigsten. Das würden hier wohl alle, unabhängig von ihrer politischen Haltung, bekräftigen.

Aus der Sicht des Vaters: Jede Beziehung ändert sich, wenn ein Kind dazukommt. Auch der Vater soll die Möglichkeit haben, Freuden und Leiden im Alltag mit Kleinkindern zu erleben. Zudem ist eine partnerschaftliche Rollenteilung nötig, damit die Männer eine aktive Rolle im Kinderalltag einnehmen können.

Aus der Sicht der Mutter: Auch wenn Väter heute aufgeklärter sind als noch vor zehn oder zwanzig Jahren und sich mehr für Kinder und Hausarbeit interessieren, sind es - statistisch untermauert - immer noch die Frauen, die sich hauptsächlich um die Kinder und den Haushalt kümmern, unabhängig davon, ob sie nun erwerbstätig sind oder nicht. Daher ist es nichts als gerechtfertigt, wenn die Frauen für diese aufwändige, gesellschaftlich aber wichtige Arbeit mit einem Elternurlaub entlastet würden.

Die Familienzeit mit Kleinkindern könnte dank einem Elternurlaub, wie ich ihn vorschlage, stressfreier gestaltet werden. Davon könnten alle Direktbeteiligten, aber auch die Gesellschaft profitieren.

Es ist klar: Die Einführung eines Elternurlaubs ist für den Bund mit Kosten verbunden.

In Deutschland und Norwegen, wo solche Urlaube für Staat und Private bereits die Regel sind, gab es keine wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Warum sollte dies in der Schweiz anders sein? Wie die Finanzierung genau aussähe, habe ich offen gelassen. Diesbezüglich bestünde Spielraum bei der Ausgestaltung des Gesetzes.

Ein paar Zahlen, damit Sie sich eine Vorstellung machen können, wie viele Leute auf Bundesebene in den Genuss eines Elternurlaubs kämen: 1998 erhielten 1052 Männer und 200 Frauen vom Bund eine Geburtszulage. Dass der Elternurlaub ein geeignetes Mittel ist, um die Gleichstellung von Frau und Mann in Familie und Arbeit zu fördern, hat sogar das Bundesgericht 1994 in einem Urteil bestätigt.

Zum zweiten Teil meiner Parlamentarischen Initiative, zum Urlaub aus familiären Gründen: Ich schlage Ihnen vor, dass die Eltern zur Betreuung von kranken Kindern wenigstens zehn bezahlte Betreuungstage pro Jahr beziehen können. Kranke Kinder sollen zuhause bleiben. Das ist richtig so. Sie gehören nicht in eine Kinderkrippe, und auch bei Tagesmüttern sind kranke Kinder nicht sehr willkommen. Vielen berufstätigen Eltern bleibt deshalb heute gar nicht viel anderes übrig, als vorzugeben, selber krank zu sein, damit sie die eigenen Kinder pflegen können. Diese Tatsache ist äusserst unbefriedigend. Zehn bezahlte Betreuungstage wären ein geeignetes Instrument, damit kranke Kinder kindergerecht betreut werden können.

Der Bund als Arbeitgeber hat Vorbildfunktion für die ganze Gesellschaft. Wenn der Bund ein interessanter Arbeitgeber bleiben soll, braucht er fortschrittliche Arbeitszeitmodelle und attraktive Arbeitsbedingungen. Laut Statistik ist die Kinderbetreuung und -erziehung heute für die Grosszahl der Väter und Mütter eine partnerschaftliche Aufgabe, für die sie gerne mehr Zeit einsetzen würden. Ein Elternurlaub und bezahlte Tage für die Betreuung kranker Kinder würden den Eltern etwas mehr Zeit bringen, und der Bund hätte zufriedenere und motiviertere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und würde dadurch selber profitieren.

Ich bitte Sie daher, meiner Parlamentarischen Initiative Folge zu geben.

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