Häberli-Koller Brigitte · Nationalrat · 2004-03-11
Häberli-Koller Brigitte · Nationalrat · Thurgau · Christlichdemokratische Fraktion · 2004-03-11
Wortprotokoll
Kohle, Erdöl oder Diamanten? Nein, mit Rohstoffen sind wir in der Schweiz nicht gerade gesegnet. Deshalb sind Forschung, Bildung und Technologie Qualitäten und Kompetenzen, bei denen wir punkten können und auch weiter punkten müssen. Wir sind als rohstoffarmes Land auf Qualitätsvorsprung und Innovationskraft angewiesen. Für die CVP-Fraktion ist die Genehmigung des Übereinkommens ein wichtiger Schritt für unser Land, um im europäischen Forschungsraum, welcher eine immer engere Verzahnung der Akteure durch eine immer effizientere Nutzung von Synergien anstrebt, als vollwertiger Partner anerkannt zu werden. Durch die Präsenz von eigenen Beobachtern und Experten in den Ausschüssen und Expertengruppen erhält die Schweiz einerseits einen privilegierten Zugang zu Informationen und andererseits die Möglichkeit zur Beeinflussung der Ausgestaltung und Durchführung der aktuellen und zukünftigen EU-Rahmenprogramme.
Die CVP will, dass die Schweiz auch in Zukunft eine Spitzenposition in der Wissenschaft einnehmen und mit den besten Hochschulen der Welt mithalten kann. Zu erwähnen gilt es auch, dass unsere KMU mit rund 15 Prozent, nichtuniversitäre Forschungszentren mit 23 Prozent und grössere Betriebe mit 12 Prozent der Gelder an den Programmen beteiligt sind. In einer im Jahre 2001 durchgeführten Umfrage haben rund 66 Prozent der KMU-Teilnehmer an den vierten Rahmenprogrammen in ihren Antworten angegeben, dass der Nutzen ihrer Beteiligung höher oder viel höher als ihre Kosten ausgefallen sei. Weitere 20 Prozent hielten das Kosten-Nutzen-Verhältnis für ausgeglichen. Das Projekt Incosynt z. B. optimierte die Beschichtung von Werkzeugen für Anwendungen in Stahl, Stein und Holz. Ziel dieses [PAGE 299] Projektes war es, günstige selbstschmierende und superharte Schneidewerkzeuge für den trockenen Einsatz bei hohen Geschwindigkeiten zu entwickeln. Das Projekt Dynamicro arbeitete an der Entwicklung einer revolutionär neuen Behandlung, welche Ärzte mit einer Alternative ausstattet, um gegen die antibiotikaresistenten, antimikrobiellen Krankheitserreger anzukämpfen.
Die Schaffung der Möglichkeit, Projekte zu lancieren und zu leiten, die verstärkte Integration der Schweizer Forschung, die Stärkung der schweizerischen Industrie und Wirtschaft und die Sicherung von Arbeitsplätzen sind nur einige der Hauptgründe, dieses Übereinkommen zu genehmigen und damit für unser Land bisher verschlossene Türen zu öffnen und neue Chancen zu nutzen.
Die Motion der WBK zur Erhöhung des Verpflichtungskredites wird von der CVP unterstützt. Der Kredit wurde am 19. Juni 2003 gekürzt, weil die Schweiz statt bereits per 1. Januar 2003 erst per 1. Januar 2004 voll beteiligt ist. Diese Kürzung wird nun mit der Motion korrigiert. Damit sichern wir die begonnenen Projekte für die ganze Projektdauer. Dies ist deshalb so wichtig, weil sonst unsere Forschenden in der wichtigen Endphase nicht mehr dabei sein würden, dann nämlich, wenn die erarbeiteten Resultate nutzbar gemacht werden können, das heisst, wenn die Forschung in Produkte, Prozesse und Dienstleistungen umgewandelt wird. Richard von Weizsäcker sagte: "Die Technik von heute ist das Brot von morgen." Die Wissenschaft von heute ist die Technik von morgen - ermöglichen wir sie!