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Leumann-Würsch Helen · Ständerat · 2004-03-10

Leumann-Würsch Helen · Ständerat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2004-03-10

Wortprotokoll

Die Schweiz als rohstoffarmes Land ist auf ein ausgezeichnetes Ausbildungsangebot angewiesen. Diese Aussage kann nicht oft genug wiederholt werden; wir haben sie zum letzten Mal bei der Behandlung der BFT-Botschaft gehört, welche die strategische Bedeutung von Bildung, Forschung und Technologie für unsere Wirtschaft und für unsere Gesellschaft aufgezeigt hat.

Heute nun ergänzen wir einen wichtigen Baustein, indem wir die gesetzliche Grundlage für die Einführung des Bologna-Modells schaffen - was auch mit Blick auf das angrenzende Ausland, wo diese Abschlüsse bereits möglich sind, richtig ist -, damit unsere Fachhochschulabgängerinnen und -abgänger gleich lange Spiesse wie ausländische Bewerber haben und sich auch im Ausland gleichwertig bewerben können. Gleichzeitig integrieren wir den GSK-Bereich, d. h. Gesundheit, Soziales und Kunst, und erfüllen damit ein schon lange pendentes Frauen-Postulat, denn vor allem in diesen Bereichen, in diesen Berufsgruppen sind Frauen tätig.

Dank ihrer Praxisnähe und Anwendungsbezogenheit erfüllen unsere Fachhochschulen eine wichtige Funktion im tertiären Bildungsbereich. Es ist denn auch zu begrüssen, dass die Kantone ihren anfänglichen Widerstand in eine positive Unterstützung umgewandelt haben.

Mein Kanton begrüsst die Revision, die wir heute behandeln, weil so eine einheitliche Rechtsgrundlage für alle Fachhochschulbereiche geschaffen wird und die Steuerung des Gesamtsystems auch auf der Stufe operative Führung innerhalb einer Fachhochschule erleichtert wird. Sie wissen, dass die Fachhochschule Zentralschweiz in unserer Region, in der wir ja keine grosse Universität haben, einen ganz wesentlichen Bestandteil unserer Bildungspolitik abdeckt. Die Wirtschaft, vor allem die KMU, sind der grösste Kunde des schweizerischen Fachhochschulsystems, denn über 60 Prozent der Absolventen wechseln nach Abschluss ihres Studiums in die Wirtschaft. Ebenso wichtig ist denn auch die Qualität der Bachelor- und Master-Abschlüsse. Die Fachhochschulen sind sich bewusst, dass der Wettbewerb schon bei der Ausgestaltung der Bachelor-Abschlüsse beginnt. National und international - so ist es auch im universitären Bereich - werden jene Fachhochschulen erfolgreich sein, welche entsprechende qualitative Standards der Abschlüsse garantieren.

Einiges zu reden gaben Bedenken, dass Hochschulabgänger eher den Master als den Bachelor machen werden. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass gerade die kleineren und mittleren Betriebe, vor allem im technischen Bereich, mindestens so sehr Leute mit einem Bachelor-Abschluss brauchen werden.

Es ist ein bisschen wie bei den universitären Abschlüssen, Lizentiat oder Doktorat, denn die Wirtschaft braucht nicht nur Doktoranden. Am Schluss wird der Markt bestimmen, welcher Ausbildungsgrad für welche Stellung richtig ist. Vor allem aber werden die Qualität der Schule einerseits, aber auch die Möglichkeiten und die Qualität der Studenten andererseits eine entsprechende Rolle spielen. Es ist deshalb wichtig - ich habe bereits darauf hingewiesen -, dass sich dieser Wettbewerb unter den einzelnen Fachhochschulen entwickeln kann, wobei ich nicht verhehlen möchte, dass die Fachhochschule Zentralschweiz gerne bereit ist, in diesem Wettbewerb mitzumachen.

Ich möchte auch mit aller Deutlichkeit darauf hinweisen, dass wir nicht die ETH gegen eine Fachhochschule ausspielen können und dürfen. Junge Menschen, die eine Berufslehre absolvieren und sich anschliessend in der Fachhochschule weiterbilden, haben ganz andere Qualitäten, aber auch ganz andere Möglichkeiten in ihrem Bildungsbereich. Jemand, der eine Universität besucht, beschränkt sich vielmehr auf einen Abschluss im Bereich der Forschung. Jemand, der eine Lehre macht, ist ein eher praktischer Mensch. Für den ist es dann richtig und wichtig, sich in der Fachhochschule weiterzubilden, weil die anwendungsorientierte Forschung mindestens so wichtig ist wie die Grundlagenforschung. Deshalb ist es eminent wichtig, dass wir beide Seiten haben und dass wir sie nicht gegeneinander ausspielen. Ich kenne das aus unserem eigenen Betrieb. Auf der einen Seite brauchen wir, um unsere Zukunft zu gestalten, die Grundlagenforschung dringend. Aber auf der anderen Seite brauchen wir ebenso dringend die Forscher im anwendungsorientierten Bereich. Wir können die einen nicht durch die anderen ersetzen. Das geht nicht, weil die Leute verschiedene Begabungen haben.

Wir beraten ja heute eigentlich eine Übergangsgesetzgebung, weil dem Hochschulförderungsgesetz, das in einigen Jahren vorliegen sollte, dann auch die Fachhochschulen mit den GSK-Berufen vollumfänglich unterstellt sein werden. [PAGE 94]

Ich bin für Eintreten und Zustimmung zum vorliegenden Beschluss, wie er aus der Kommission hervorgegangen ist, auch was die Finanzierung betrifft. Denn wir müssen auch gegenüber den Kantonen als verlässliche Partner auftreten und dürfen den Bereich der Finanzierung nicht hinter das jetzt geltende Gesetz zurückfallen lassen. Es kommt dazu, dass das Geld gerade auch im Bereich der Fachhochschulen gut investiert ist und mehrfach Zinsen tragen wird. Dass im Verlauf der nächsten Jahre noch über Details gesprochen werden muss, das ist für mich selbstverständlich.