Zwygart Otto · Nationalrat · 2000-06-13
Zwygart Otto · Nationalrat · Bern · Evangelische und Unabhängige Fraktion · 2000-06-13
Wortprotokoll
Do you want that we change our national identity? Wollen Sie wirklich von unserer nationalen Identität Abschied nehmen? Sprachen sind doch ein herausragendes Element nationaler Eigenheiten. Bei uns sind es vier Sprachen. Alle bemühen sich oder sind gezwungen, eine der Nachbarsprachen zu lernen. Romanisch- und Italienischsprachige müssen das tun, wenn sie sich eine höhere Bildung aneignen oder über die Alpen oder ins Nachbarland "ennet dem Rhein" ziehen wollen.
Müssen nun nicht nur sie, und dies erst noch zweifach, sondern alle Schweizerinnen und Schweizer verpflichtet werden, vorgängig einer Landessprache eine andere Sprache, eine Weltsprache, zu lernen?
Ich verstehe, dass Sie, Frau Bundesrätin, das Postulat aus rechtlichen Gründen nicht entgegennehmen wollen. Ich vermisse aber den Willen des Bundes, in dieser Angelegenheit eine gewisse Führungsrolle zu übernehmen.
In der Antwort des Bundesrates ist an und für sich festgehalten, dass die Kantone zuständig sind. Am Schluss schreibt er aber, die Forderung sei allenfalls direkt an die Kantone und an die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) zu richten. Die EDK hat aufgrund einer Umfrage bei den Kantonen einen Bericht zusammengestellt. In diesem wird zu Beginn unter anderem festgehalten, drei Viertel der Kantone wollten das Prinzip beibehalten, als erste Fremdsprache eine Landessprache zu unterrichten. Politische Vorstösse, von diesem Prinzip abzurücken und dafür Englisch als erste Fremdsprache anzubieten, wurden in weniger als einem Sechstel der Kantone eingereicht. Nebenbemerkung: Bezogen auf die Bevölkerungszahlen stimmt diese Angabe - ein Sechstel - längst nicht mehr, dann sind es vielmehr über 50 Prozent.
In rund einem Viertel der Kantone, allesamt in der Deutschschweiz gelegen, ist Englisch längerfristig als erste Fremdsprache vorgesehen oder wird offen gelassen, ob Französisch oder Englisch als erste Fremdsprache unterrichtet werden sollen.
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Diese Tendenz, scheint mir, sollte in der eidgenössischen Politik einen Gegenpol finden. Darum strebt mein Postulat dies an. Die Schule soll dem Bedarf der Öffentlichkeit zwar entsprechen. Die Gesellschaft verändert sich - das ist unbestritten. Aber ebenso unbestritten sollte es doch sein, dass unsere nationale Identität gesucht werden soll. Darum hoffe ich, dass Sie, Frau Bundesrätin, in dieser Beziehung etwas unternehmen.
Zum Schluss möchte ich mir diesbezüglich noch eine Frage erlauben. Sie haben die EDK angesprochen. Die EDK ist ein Gremium, das nicht gewählt, das von niemandem nominiert ist. Ich kann der EDK aus einem politischen Gremium in keiner Weise an den Karren fahren. Ich kann nur murren und die Faust im Sack machen.
Das ist letztlich das Problem: Wir müssten diese Institution eigentlich in irgendeiner Form wählen oder demokratisch bestimmen können. Sie, Frau Bundesrätin, hätten in diesem Bereich - das gilt auch für den medizinischen Bereich - eigentlich etwas unternehmen sollen, um eine rechtliche Handhabe zu bekommen, damit man sich einbringen kann. Denn letztlich kann man sich bei der EDK nur mit Wünschen einbringen, mit mehr nicht.