Binder Max · Nationalrat · 2004-10-08
Binder Max · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2004-10-08
Wortprotokoll
Wir verabschieden uns heute von Frau Marie-Louise Sialm-Baeriswyl, die heute zum letzten Mal hier ist, nachdem sie uns 29 Jahre lang als Dolmetscherin die Treue gehalten hat.
Sie hat ihre Aufgabe immer ausgezeichnet erfüllt, denn es gibt - wie einmal ein Humorist gesagt hat - keine schlechten Dolmetscher, sondern nur schlechte Redner und Rednerinnen.
Die Verabschiedung von Frau Sialm gibt uns Gelegenheit, uns die Besonderheit des Dolmetscherberufes vor Augen zu führen. Dolmetschen bedeutet nämlich nicht nur Übersetzen. Natürlich beinhaltet das Dolmetschen die Übersetzung in eine andere Sprache; charakteristisch für das Dolmetschen ist aber, dass hier Übersetzen gleichbedeutend mit dem Vermitteln einer Botschaft ist.
Die Parlamentsdolmetscherin ist in den vordersten Rängen des politischen Geschehens; sie nimmt - von ihrer ganz besonderen Warte aus - den Tonfall eines Votums wahr, erkennt seinen roten Faden, spürt die mitschwingenden Emotionen, die Stimmung, die Spannung, ja die Erleichterung des Redners oder der Rednerin und der Zuhörerschaft. Alle diese Elemente muss sie im Nu aufnehmen, um den anderssprachigen Ratsmitgliedern das Wesentliche davon wiederzugeben und ihnen so zu ermöglichen, an diesem Geschehen vollumfänglich teilzuhaben. Genau das hat Frau Sialm 29 Jahre lang auf bewundernswerte Art und Weise getan, d. h. seit 1975, als Rudolf Etter auf diesem Präsidentensessel sass.
Damit hat sich der Kreis für Sie, Frau Sialm, gewissermassen geschlossen: Sie haben unter dem Vorsitz eines Berner SVP-Mitgliedes begonnen und hören mit einem Zürcher SVP-Vertreter auf!
Frau Sialm hat das ganz besondere Verdienst, auch die rätoromanischen Voten dolmetschen zu können, was allerdings in diesem Saal nur selten vorkommt.
Ich hoffe, dass Frau Sialm ihre Zeit in der schalldichten, in das Halbrund ragenden Kabine nicht in allzu schlechter Erinnerung behalten wird, auch wenn die Wortmeldungen manchmal nicht an die Gefilde der hohen Redekunst heranreichten, aber Demosthenes war ja schliesslich kein Schweizer.
Im Übrigen könnte ich mir vorstellen, dass wir die Dienste von Frau Sialm in der Herbstsession 2006 in Flims, wenn dann tatsächlich hin und wieder Rätoromanisch gesprochen wird, gut in Anspruch nehmen könnten - als freie Mitarbeiterin des Parlamentes.
Wir wünschen Frau Sialm alles Gute für ihre Zukunft, gute Gesundheit und danken ihr ganz herzlich für ihre ausgezeichnete Mitarbeit in diesen 29 Jahren. (Der Präsident überreicht Frau Sialm einen Blumenstrauss; Beifall)
Wenn ich über diese Session Bilanz ziehen wollte, würde ich sagen: Wir haben eine Session hinter uns, die reich befrachtet war und in einem etwas hektischen Umfeld stattfand. In einem Umfeld mit vielen politischen Köchen, mit vielen politischen Kochgehilfen, die versuchten, ein Menü vorzubereiten, das auch für das Volk geniessbar ist. Ich bin der Meinung, dass die Köche die Küche jetzt etwas abkühlen lassen sollten, ein jeder Koch an seinen bestimmten Platz in der Küche zurückkehren und dort eigentlich die ihm zugeteilten Aufgaben erledigen sollte. Das wäre eigentlich meine Botschaft an all die Politköche in unserem Lande.
Was die Session betrifft, kann ich Ihnen die Statistik angeben: Wir haben 29 Motionen erledigt. Sie haben dafür gesorgt, dass Sie weiterhin nicht arbeitslos werden, Sie haben nämlich 180 neue Motionen eingereicht. Wir haben 24 [PAGE 1765] Postulate erledigt. Hier waren Sie etwas weniger aktiv, Sie haben 28 Postulate eingereicht. Wir haben 54 Interpellationen erledigt, und Sie haben deren 68 eingereicht. Wir haben 49 Anfragen beantwortet, und es wurden nur deren 38 eingereicht - hier besteht Nachholbedarf! (Heiterkeit) Wir haben 23 parlamentarische Initiativen behandelt, und Sie haben deren 19 eingereicht; auch hier waren wir erfolgreich.
Insgesamt danke ich Ihnen ganz herzlich für Ihre Mitarbeit. Ich kann Ihnen sagen, dass wir bis auf einige Vorstösse aus dem Bereich des EDI das gesamte Programm behandelt haben, wir lassen also keine Pendenzen zurück. Persönlich bin ich froh, dass ich meinem Nachfolger keine wesentlichen Pendenzen hinterlassen muss. Ich verabschiede mich heute nicht das letzte Mal von Ihnen. Ich habe das Glück, Sie am 29. November zur Wintersession zu begrüssen. Aber ich verabschiede mich heute von Ihnen nach der Herbstsession, wie ich mich schon nach anderen Sessionen verabschiedet habe. Ich wünsche Ihnen und in Ihren Familien, Ihnen in Ihrem Beruf, aber auch in Ihrer politischen Arbeit auch in der Zukunft viel Glück, Erfolg und alles Gute.
Das Schlusswort spreche ich nicht, das wird Ihnen jetzt gleich auf andere Art und Weise präsentiert. Ich hoffe, Sie am 29. November zur Wintersession 2004 wieder gesund und munter begrüssen zu dürfen. (Beifall)
(Der Präsident verabschiedet die Ratsmitglieder mit einer audiovisuellen Präsentation)
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Schluss der Sitzung und der Session um 08.55 Uhr
Fin de la séance et de la session à 08 h 55
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