Jutzet Erwin · Nationalrat · 2004-11-30
Jutzet Erwin · Nationalrat · Freiburg · Sozialdemokratische Fraktion · 2004-11-30
Wortprotokoll
Gerechtigkeit ist ein grosses Wort. Jeder von uns versteht ein bisschen etwas anderes darunter. Aber immerhin: Jeder hat, so hoffe ich, eine Vorstellung von Gerechtigkeit und versucht, danach zu handeln.
Eine APK-Delegation, bestehend aus fünf Mitgliedern dieses Rates, leider ohne Vertreter der SVP-Fraktion, war in diesem Herbst, im Oktober, in Mosambik. Wir haben Dörfer und Städte besucht. Wir haben das Elend gesehen, den Mangel an allem. Es war physisch und psychisch sehr anstrengend. Es war beeindruckend, wie beispielsweise in einem abgelegenen Dorf ein Mädchen Körner zwischen zwei Steinen zerrieb, um damit Mehl zu machen - wie vor zehntausend Jahren. Daneben sahen wir im gleichen Dorf, wie Schweizer Spezialisten Aufbauhilfe leisteten, um Silos herzustellen, [PAGE 1808] damit Saatgut gelagert werden kann. Wieder daneben wurden ganz einfache Kompostanlagen für die Bodenverbesserung hergestellt. Wir haben Gesundheitsberatung für die Mütter gesehen; immerhin besteht dort eine Kindersterblichkeit von beinahe 20 Prozent. Wir haben Kleinkreditinstitute für die Bauern gesehen. Wir waren im Armenviertel von Maputo und haben dort Wasser- und Abwasseranlagen gesehen und gesehen, wie das Leben der Leute erleichtert wird, wie Hygiene geschaffen wird, wie das Leben für die einfachen Leute verbessert wird, wie das ihnen Hoffnung gibt. Hand aufs Herz: Entspricht nicht diese Hilfe, diese kleine Aufbauhilfe, Ihrer Vorstellung von Gerechtigkeit? Es ist ein kleiner Schritt Richtung Chancengleichheit, eine Verstärkung der Entwicklungszusammenarbeit, eine Bekräftigung unseres Ziels von 0,4 Prozent des Bruttoinlandproduktes für die Entwicklungszusammenarbeit, des Millenniumsziels.
Diese Hilfe liegt aber auch in unserem Eigeninteresse. Nicht nur die Wirtschaft globalisiert, die Welt ist klein geworden, die Menschenströme sind nicht aufzuhalten. Wenn wir den Leuten in diesen ärmsten Ländern nicht Hoffnung geben, vor Ort Zukunft zu bauen, dann werden sie eben zu uns strömen.
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