Bürgi Hermann · Ständerat · 2004-12-06
Bürgi Hermann · Ständerat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2004-12-06
Wortprotokoll
Die Interpellation Reimann Maximilian bietet die Gelegenheit, sich in diesem Saal kurz zu sportpolitischen Fragen zu äussern. Ich meine, das sei wertvoll. Wenn man das Interesse der Politik am Sport etwas analysiert, stellt man fest, dass das Sich-Präsentieren an Sportveranstaltungen und Siegerehrungen im Verhältnis umgekehrt proportional zum Engagement auf der politischen Ebene ist. Das als Randbemerkung.
Ich stelle fest, dass der Bundesrat den Stellenwert und die Bedeutung des Sports ganz klar erkannt hat. Ich habe, ausgelöst durch diese Interpellation, wieder einmal die Gelegenheit benutzt, das "Konzept des Bundesrates für eine Sportpolitik in der Schweiz" anzusehen. Ich habe auch wieder mit Interesse die Sonderausgabe des Baspo "Sportpolitisches Konzept - Umsetzungsmassnahmen" gelesen. Ich meine, das sei ein guter und ein richtiger Weg, um sich auf nationaler Ebene mit der Förderung des Sports auseinander zu setzen. Aber ich denke, wir dürfen uns nicht darauf beschränken, lediglich sportpolitische Konzepte zu entwickeln, sondern es gehe auch um die Umsetzung. In diesem Zusammenhang, Herr Bundesrat, nutze ich die Gelegenheit, zwei Anliegen, zwei Wünsche, vielleicht auch Fragen - oder wie Sie es betiteln wollen -, anzubringen:
1. Wir sind uns alle einig, dass die Leiterausbildung einen Baustein der Sportförderung und damit auch für spitzensportliche Leistungen darstellt. Ich stelle fest, dass jetzt vorgesehen ist, die Entschädigungen für die Ausbildungsaktivitäten der Kantone im Rahmen des EP 2004 zu streichen, sie sollen wegfallen - Entschuldigung: Das ist im EP 2003 schon geschehen. Aber ich denke, Herr Bundesrat, es wäre wahrscheinlich schon wertvoll, wenn man sich doch noch einmal überlegen würde, ob das richtig sei oder ob es allenfalls nicht gescheiter wäre, im Bundesamt für Sport mit einem Plafond von 130 Millionen Franken die Prioritäten anders zu setzen. Es geht hier ganz eindeutig um Beiträge an die Leiterausbildung und Leiterfortbildung. Es dünkt mich, da werde am falschen Ort gespart. Bei einem Plafond von 130 Millionen Franken könnte ich mir vorstellen, dass man die Prioritäten anders setzt. Ich möchte das einfach einmal zu bedenken geben.
2. Es ist unbestritten, dass bei der Nachwuchsförderung die Schule eine grosse Rolle spielt. Ich habe in der Broschüre "12 Bausteine zum Erfolg" von Swiss Olympic die Aussage gelesen: "Schule und Sport sitzen im selben Boot." Das wird auch in diesem Umsetzungsprogramm ausdrücklich festgehalten. Da wird auf die Bedeutung des nationalen Schulgeldausgleichs hingewiesen, Herr Bundesrat, und in der Zwischenzeit ist etwas geschehen: Es gibt eine interkantonale Vereinbarung für Schulen mit spezifisch strukturierten Angeboten für Hochbegabte. Darin sind natürlich auch die Ausbildungsgänge enthalten, die im Zusammenhang mit Sportschulen angeboten werden. Wir haben jetzt ja die erfreuliche Tatsache, dass Swiss Olympic diese Woche Schulen mit Qualitätslabels auszeichnet. Notabene: Zwei davon liegen im Kanton Thurgau, das freut mich ganz besonders.
Aber warum thematisiere ich das? Ich thematisiere es deswegen, weil diese Sportförderstätten, für die jetzt die Rechtsgrundlage geschaffen ist, damit stehen und fallen, ob bei den Kantonen die Zahlungsbereitschaft vorhanden ist. Es genügt nicht, wenn sie auf dieser Liste aufgeführt sind; es genügt nicht, wenn der Standortkanton irgendetwas macht, sondern die Zahlungsbereitschaft der übrigen Kantone muss vorhanden sein. In dem Sinne, Herr Bundesrat, würde ich mir wünschen, dass Sie den Erziehungsdirektorinnen und Erziehungsdirektoren, der EDK, ins Gewissen reden und sagen, man solle es nicht bei einem Lippenbekenntnis belassen, sondern eben den Tatbeweis antreten.
Ich kann Ihnen sagen: Die Erfolge sind gewiss. Wir haben beispielsweise einen thurgauischen Absolventen des [PAGE 776] Sportgymnasiums Davos unbürokratisch unterstützt. Er ist heute Olympiasieger in der Halfpipe. Das ist Sportförderung am besten Ort. Aber es steht und fällt damit, dass die Kantone bereit sind, ihre Beiträge an die Schulkosten zu leisten. Deshalb mein Wunsch und meine Bitte an Sie, dass Sie und das Bundesamt für Sport einen Beitrag dazu leisten, dass diese Einsicht zum Tragen kommt. Das ist die beste Sportförderung und Nachwuchsförderung.