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Hassler Hansjörg · Nationalrat · 2000-06-20

Hassler Hansjörg · Nationalrat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2000-06-20

Wortprotokoll

Die Zeichen für den Werk- und Schaffensplatz Schweiz stehen im Allgemeinen gut. Aber in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung in den Berg- und Randgebieten ziehen doch einige bedrohliche Wolken auf. Die schrankenlose Liberalisierung der Wirtschaft führt zu einer Zentralisierung und damit zu einem Arbeitsplatzabbau in den Randregionen. Wir Bergler drohen zu den Verlierern der Liberalisierung zu werden. Dazu darf es nicht kommen, die Berg- und Randgebiete müssen auch in Zukunft Wirtschafts- und Lebensraum bleiben. Der Erhaltung der Besiedelung auch in den entlegenen Gebieten ist grosse Beachtung zu schenken. Es braucht auch im wirtschaftlichen Bereich einen regionalen Ausgleich. Ganz besonders eine intakte Landwirtschaft trägt viel zur Stärkung des ländlichen Raumes bei. Aus diesem Grund möchte ich einige grundsätzliche Überlegungen zur Zukunft der Landwirtschaft anstellen:

In den nächsten Jahren ist der Umsetzung des bilateralen Agrarabkommens grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Alle beteiligten Kräfte, auch der Bund, müssen dafür sorgen, dass wir unsere Produktionsanteile halten können. Es ist das Ziel jedes Bauern, gesunde, qualitativ hochwertige Produkte herzustellen. Darum liegt uns Bauern viel daran, unsere Produktionsanteile nicht zu verlieren.

Aber auch die Multifunktionalität der Landwirtschaft darf nicht angetastet werden. Aspekte wie die Erhaltung der dezentralen Besiedelung des Landes oder wie die Pflege der Kulturlandschaft müssen auch in Zukunft tragende Säulen der Landwirtschaftspolitik sein. Um diese Ziele zu erreichen, darf die Zahl der Betriebe in der Schweiz nicht auf 10 000 Einheiten reduziert werden, wie dies von Herrn Bodenmann, dem ehemaligen Präsidenten der SP Schweiz, kürzlich [PAGE 761] gefordert wurde. Zur Orientierung: Heute haben wir in der ganzen Schweiz rund 80 000 Landwirtschaftsbetriebe. Um die multifunktionalen Aufgaben erfüllen zu können, werden auch in Zukunft Familienbetriebe die richtige Lösung sein.

Sorgen bereitet uns Bauern die Flut von neuen Gesetzen und Vorschriften. Wir sind ohne Wenn und Aber bereit, die bestehenden Vorschriften, wie das Tierschutzgesetz oder das Gewässerschutzgesetz, einzuhalten. Aber immer neue Vorschriften sind mit neuen baulichen Eingriffen verbunden und verteuern unsere Produktion ausserordentlich. Wir können nicht unsere Ställe dauernd abändern, so häufig, wie wir unser Hemd wechseln.

Wie ökologisch soll die Landwirtschaft in Zukunft sein? Als Biobauer bin ich für eine umweltschonende, naturnahe Landwirtschaft. Wie ökologisch die Landwirtschaft in Zukunft sein wird, entscheiden aber nicht wir Bauern allein, sondern vor allem Sie als Konsumentinnen und Konsumenten. Der Markt wird in Zukunft vor allem darüber entscheiden, ob eine naturnahe Landwirtschaft eine Zukunft hat oder nicht.

Ich bin gegen den Einsatz von Gentechnik bei der Nahrungsmittelproduktion. Ich bin überzeugt, dass die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft in der Produktion von natürlichen Nahrungsmitteln und nicht in gentechnisch veränderten Produkten liegt. Die Skepsis gegenüber gentechnisch veränderten Produkten wächst weltweit auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Tatsächlich dürfen die Eingriffe in die Natur nicht verharmlost werden. Die langfristigen Folgen sind unbekannt. Daher lassen wir vorderhand lieber die Finger davon. Ich bin für ein zehnjähriges Moratorium für die kommerzielle Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen.

Zusammengefasst möchte ich sagen, dass wir Bauern bereit sind, auf berechtigte Anliegen der Konsumentinnen und Konsumenten einzugehen. Aber wir erwarten von ihnen auch, dass sie bei all ihren Überlegungen berücksichtigen, dass wir Bauern vermehrt in einem internationalen Markt zu bestehen haben, in dem in mancherlei Hinsicht sehr unterschiedliche Voraussetzungen bestehen.

Helfen Sie daher alle mit, dass Familienbetriebe auch in Zukunft eine Existenz haben können.