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preparatory:AB 49711

Cavalli Franco · Nationalrat · Tessin · Sozialdemokratische Fraktion · 2003-06-17

Wortprotokoll

In wenig anderen Bereichen tritt die Scheinheiligkeit der bürgerlichen Mehrheit so deutlich zutage wie bei diesem. Alle wissen: Medikamentenkosten nehmen jährlich 15, 18 und dieses Jahr vielleicht sogar um 20 Prozent zu. Das ist ein Trend, den man in allen westlichen Ländern sieht, bei uns und in den USA etwas mehr als in anderen Ländern. Die Diagnose ist also klar. Ich habe auch noch an keinem öffentlichen Gespräch, an keinem Gespräch bei einer Zeitung oder beim Fernsehen teilgenommen, an dem die anwesenden bürgerlichen Vertreter nicht auch gegen die Zunahme der Kosten der Medikamente "schreien" und sagen, man müsse unbedingt etwas tun, damit dieses Schlamassel nicht weitergehe. Das ist immer so. Wenn wir dann aber hier versuchen, etwas dagegen zu unternehmen, dann geschieht nichts, dann versucht man das immer wieder zu torpedieren.

Ich erinnere Sie daran: Als wir das neue Heilmittelgesetz diskutiert haben, haben wir vorgeschlagen, dass neue Medikamente, die seit einigen Jahren immer mindestens zehnmal teurer sind als jene, die vom Markt genommen werden, nur dann zugelassen werden, wenn sie besser sind als die bisherigen; oder: wenn sie gleich gut sind, sollten sie billiger sein. Das wurde verworfen. Jedes Mal, wenn wir hier versuchen, diese Kostenzunahme zu bremsen, findet man irgendeine Ausrede, um zu sagen, das sei nicht möglich.

Der Antrag der Minderheit Goll ist wirklich das Beste, was man sich da vorstellen kann. Wir waren auch gegen die "Denner-Initiative", weil sie undifferenziert war. Hier wird aber ganz klar gesagt, dass die preisgünstigsten Arzneimittel "bei gleicher Eignung" verordnet werden sollen. Damit ist keine industrielle Medizin gemeint, Kollege Guisan. Das heisst wirklich, dass das Medikament tatsächlich gleich ist, wie man das wissenschaftlich beweisen kann. Und wenn die Medikamente gleich sind, soll man das billigste nehmen. Jeder vernünftige Mensch würde sagen: Ja, warum nicht?

Monsieur Fattebert, il ne s'agit pas de ne pas penser. Au contraire, il s'agit justement de penser, parce que si on pense, toutes nos propositions seront adoptées. Mais, au Parlement, on ne pense pas! On ne pense que dans l'esprit des lobbies. Et dans ce cas-ci, on pense dans l'esprit des lobbies de la pharmacie.

Ich sehe nur ein Problem - das habe ich schon das letzte Mal gesagt -: Das Problem, den Wirkstoff anzugeben, ist zwar relativ einfach für Ärzte, die sich normal ausbilden. Aber da auf diesem Gebiet die Ärzte meistens nur das verschreiben, was die Pharmavertreter ihnen verordnen, kennen sie die Wirkstoffe gar nicht. Auch die Ausbildung an der Universität bezüglich Pharmakodynamik, Pharmakokinetik und Wirkstoffe ist sehr mangelhaft. Das kann ich Ihnen bezeugen, weil ich dort auch lehre.

Wenn das hier durchgehen würde, gäbe es nur ein Problem: Man müsste die Ärzte in der Pharmakopöe besser ausbilden. Das wäre etwas Positives, weil unsere Ärzte darin relativ schlecht ausgebildet sind.

Sie können das Problem drehen, wie Sie wollen: Wenn Sie vernünftig sein wollen, dann stimmen Sie dem Antrag der Minderheit zu; wenn Sie nicht vernünftig sein wollen und gegen Konkurrenz sind, dann stimmen Sie ihm nicht zu.