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Cavalli Franco · Nationalrat · 2003-06-18

Cavalli Franco · Nationalrat · Tessin · Sozialdemokratische Fraktion · 2003-06-18

Wortprotokoll

Das ist wieder eine dieser Situationen, wo man uns während der vielen Streitgespräche vor dem 18. Mai gesagt hat, man brauche die Initiative nicht, diese Möglichkeit gebe es schon heute. Wenn es aber dann so weit ist, gibt es eben diese Möglichkeit doch nicht.

Wir haben das Problem x-mal diskutiert, und es ist sehr gut bekannt. Wir haben in der Schweiz zu viele hoch spezialisierte Zentren bzw. Spitzenmedizin-Zentren. Das könnte auf den ersten Blick als Vorteil gelten, aber jeder, der das Gesundheitswesen gut kennt, weiss, dass das ein grosser Nachteil ist. Wenn Sie nämlich in einem Transplantationszentrum nur 20 oder 30 Mal pro Jahr einen Eingriff vornehmen, dann sind Ihre Resultate schlechter, als wenn Sie 150 Eingriffe pro Jahr vornehmen. Das ist nicht nur irgendeine mathematische Grösse, sondern es ist erwiesenermassen zum Nachteil der Patienten.

Jeder weiss auch, dass in einem Land wie der Schweiz zum Beispiel im Bereich hoch spezialisierter Transplantationszentren zwei mehr als genug wären, eines im Welschland und eines in der deutschen Schweiz. Wir würden dadurch nicht nur sehr viel sparen, sondern wir hätten schlussendlich auch bessere Ergebnisse, und die Patienten wären zufriedener.

Die Sachlage ist also ganz klar. Jeder weiss, welche Probleme wir mit der Autonomie der Universitäten haben. Herr Kleiber kann ein Lied davon singen; er wollte sie nur ein wenig vernetzen, und schon sagte man, da komme der "Vogt aus Bern" usw. Jeder weiss, dass wir dort nicht durchkommen werden, wenn wir den Kantonen sagen, sie sollen das jetzt irgendwann machen. Es werden "geologische" Perioden verstreichen, bis sich die Kantone einigen werden und bis der Bund dann einschreitet! Ich würde sagen, wir haben schon fast eine Notfallsituation; Handlungsbedarf ist vorhanden. Wir können nicht den Kantonen sagen, sie sollten jetzt einmal anfangen zu planen und wenn sie dann in 10 oder 20 Jahren noch nicht so weit sind, werde der Bund dann einschreiten. Es ist an der Zeit - das hatten wir auch das erste Mal so entschieden -, jetzt ein Zeichen zu setzen und dass der Bund mindestens bei den spitzenmedizinischen Einrichtungen die Planung vornimmt.