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Günter Paul · Nationalrat · 2000-06-22

Günter Paul · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-06-22

Wortprotokoll

Wir haben gestern in einem kleinen Kreis das Postulat Maury Pasquier diskutiert. Ein zuhörender Kollege hat darauf gesagt, das sei doch ein dummes "Gestürm", wir sollten einfach in jedes Gesetz schreiben: "Bei der männlichen Form sind die Frauen inbegriffen." Ich habe ihm gesagt, dass ich das eine gute Idee finde, man müsse es nur umgekehrt machen: Wir schreiben überall die weibliche Form und vermerken dann unten, dass die Männer mitgemeint seien. Worauf sich der Kollege aufregte, einen roten Kopf kriegte und sagte, das sei lächerlich. Darauf habe ich ihm gesagt, dass es eben kein lächerliches Problem sei; denn wenn man es von der anderen Seite her ansehe, sei man dann plötzlich selbst davon betroffen.

Wir haben die Bundeskanzlei schon 1991 ersucht, die Gesetze geschlechtsneutral oder in beiden Formen, männlich und weiblich, zu formulieren. Der damalige Bundeskanzler François Couchepin war von der Idee überhaupt nicht begeistert und hat die Massnahme - ich muss es so sagen - sabotiert und verzögert. Er hat versucht, die Idee zu verwedeln. Eines seiner Hauptargumente war - es erstaunt mich, dass es der Bundesrat jetzt hier wieder anführt -, dass die französische Sprache schlecht geeignet sei, das Problem zu lösen. Das ist das, was die Académie française sagt. Sie sagt das unter Missachtung der Tatsache, dass die französische Sprache bis ins 17. Jahrhundert hinein ausgesprochen reich an Formulierungen war, die die weibliche Form betrafen. Dies wurde dann erst später abgeschafft. Das ist der "sexisme masculin" der Académie française, gegen den ja auch Premierminister Jospin anzukämpfen versucht. Es gibt andere französischsprachige Länder, die das Problem schon längst gelöst haben. Ich möchte die Bundeskanzlei bitten, sich mit der Regierung in Québec in Verbindung zu setzen. Die kanadische Regierung gibt auch Handbücher heraus, wie man korrekt Gesetze verfassen muss. Wenn es geographisch etwas näher sein soll, wenden Sie sich an Belgien. Auch dort ist nach einigen Kämpfen das Problem gelöst worden. Man kann es also lösen. Für uns Männer ist die heutige Sprache kein Problem. Die Sprache, die Semantik, ist etwas ganz Wichtiges in unserem Leben. Die Semantik trifft uns im Innersten. Aber wir Männer bemerken das Sprachproblem nicht, weil wir nicht davon betroffen sind. Darum komme ich zurück auf mein Beispiel. All jene, die denken, die im Postulat aufgeworfene Frage sei ein lächerliches Problem, mögen bitte damit einverstanden sein, dass wir das Problem jetzt so lösen, dass wir alles in der weiblichen Form schreiben. Überall dort, wo auch die Männer betroffen sind, schreiben wir einfach, sie seien selbstverständlich mit gemeint.

Gemäss der Antwort, die der Bundesrat gegeben hat, müsste er bereit sein, das Postulat entgegenzunehmen. Es ist mir schleierhaft, warum er nicht bereit ist, ein Postulat - einen Auftrag, etwas zu prüfen - entgegenzunehmen, wenn er doch bereit ist, im verlangten Sinn zu handeln.

Ich möchte Sie bitten, das Postulat zu überweisen.