Merz Hans-Rudolf · Bundesrat · 2005-03-07
Merz Hans-Rudolf · Bundesrat · Appenzell A.-Rh. · 2005-03-07
Wortprotokoll
Die Antwort auf die Frage, wo die Nationalbank ihr Gold hat: Der überwiegende Teil des Nationalbankgoldes wird heute im Inland, also in der Schweiz, aufbewahrt. Aus Diversifikationsgründen lagert die Nationalbank aber auch einen Teil des Goldes ins Ausland aus. Für die Aufbewahrung im Ausland kommen grundsätzlich nur Länder mit hoher politischer und wirtschaftlicher [PAGE 155] Stabilität infrage; das ist das erste Kriterium. Aber auch die Gesetzgebung und die Rechtsprechung bezüglich Immunität und in Gerichts- und Vollstreckungsverfahren spielen eine wichtige Rolle; das ist das zweite Kriterium. Zudem muss ein rascher Marktzugang mit einem breitem Goldmarkt gewährleistet sein; das ist das dritte Kriterium. Schliesslich werden auch Terrorismus und andere politische Gefahren berücksichtigt; das ist das vierte Kriterium.
Die Nationalbank überprüft die geografische Verteilung ihrer Goldreserven periodisch, und sie passt sie den Entwicklungen gemäss diesen Kriterien an. Wie andere Zentralbanken auch gibt die Nationalbank die exakten Lagerstandorte des Goldes, des Goldvermögens, aus Sicherheitsüberlegungen nicht bekannt. Für diese Geheimhaltung sprechen insbesondere zwei Gründe:
1. Es müsste bei einer Bekanntgabe der Standorte auch laufend über die Veränderungen informiert werden, welche eben aufgrund der periodischen Überprüfung nötig sein können. Jede Information über einen Abzug oder eine Verschiebung von Gold aus einem bestimmten Land in ein anderes Land würde internationale Aufmerksamkeit erregen und könnte sogar zu Instabilitäten an den Finanzmärkten führen.
2. Auch die sicherheitstechnisch heiklen Goldtransporte wären kaum durchführbar, wenn man öffentlich wüsste, welches die Lagerstandorte sind.
Für den Bundesrat gibt es keinen sachlichen Grund, die aktuelle Strategie der Nationalbank zur geografischen Diversifikation ihrer Goldreserven zu hinterfragen.