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Noser Ruedi · Nationalrat · 2005-06-09

Noser Ruedi · Nationalrat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2005-06-09

Wortprotokoll

Die Kommissionsmehrheit will im Gesetz festhalten, dass der Import von Katzen- und Hundefellen verboten wird. Ich beantrage Ihnen, das nicht zu tun und bei der Version des Bundesrates zu bleiben. Gemäss dieser Version kann der Bundesrat solche Verbote aussprechen, z. B. für einzelne Länder, aber er muss das nicht tun. So ein Verbot wurde in einer Petition vom Schweizer Tierschutz und mit einer Motion Günter gefordert. Der Bundesrat hat zur Motion Günter bis heute nicht Stellung genommen.

Warum nehme ich die unpopuläre Aufgabe auf mich und beantrage Ihnen, ein solches Verbot nicht auszusprechen? Weil es ordnungspolitisch falsch ist und weil dank der Mehrheit die Gefahr besteht, dass mehr Tiere wegen ihrem Pelz sterben müssen. Mit diesem Gesetz regeln wir den Tierschutz in der Schweiz, und zwar nach den ethischen und moralischen Kriterien, die hier gelten. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass es auf der Welt viele Auffassungen gibt, die stark von unserem Ethik- und Moralbegriff abweichen. So begreifen viele auf der Welt nicht, dass wir Schweine essen, und bei den Indern sind ja bekanntlich die Kühe heilig. Auch von diesen Ländern erwarten wir, dass sie ihre Ethik- und Moralvorstellungen nicht zu uns exportieren.

Dass es hier um einen Export der Moralvorstellungen geht, sieht man schon daran, dass generell verboten werden soll, Katzen- und Hundefelle einzuführen, unabhängig davon, ob die Tiere "human" sterben, wie in der Schweiz üblich, oder auf grausame Weise. So gehört es nun einmal zur [PAGE 745] chinesischen Kultur, dass die Chinesen etwa 6 bis 8 Millionen Hunde und 3,5 Millionen Katzen essen. Es wird kein Hund und keine Katze in China wegen einer reinen Fellproduktion gehalten, sondern die Felle fallen in der Nahrungsmittelproduktion einfach an. Es wird also keinem Hund und keiner Katze besser gehen, wenn Sie diesem Importverbot zustimmen. Der Schweizerische Pelzfachverband importiert keine ganzen Hunde- oder Katzenfelle in die Schweiz. Auch der europäische Pelzfachverband kennt seit drei Jahren ein Importverbot. Die Felle werden in China verarbeitet und kommen beispielsweise als Kragen für Jacken und Mäntel nach Europa.

Die Videoaufnahmen, die im Fernsehen gezeigt wurden und von denen wir einige in der Kommission ansehen durften, waren sehr grausam; das ist zu verurteilen, da gibt es nichts zu diskutieren. Aber es ist auch wahr, dass das nicht nur Katzen und Hunde betrifft, sondern auch Marder und Füchse. Es sind also sehr viele Tiere von diesen Grausamkeiten betroffen. Die Marder und Füchse werden nur wegen der Pelze gezüchtet und sterben dort einen qualvollen Tod. Wir würden also das Risiko eingehen, dass von einem falschen Ethikverständnis aus mehr Marder und Füchse sterben würden als bis anhin. Wir würden nämlich erzwingen, dass die Chinesen die Felle, die in ihrer Lebensmittelproduktion anfallen, nicht mehr verwenden dürften. Es ist fast sicher, dass dann vermehrt auf andere Felle ausgewichen würde.

Wenn Sie der Mehrheit zustimmen, kann das dazu führen, dass mehr Tiere als bis anhin einen so grausamen Tod sterben. Wenn Sie bei der Version des Bundesrates bleiben, dann geben Sie dem Bundesrat die Kompetenz, Verbote oder Beschränkungen zu erlassen, und zwar für einzelne Länder, die z. B. die grausamen Methoden, wie wir sie in den Filmen sehen durften, zulassen. Damit kann er genügend Druck ausüben - zum Beispiel, wie vorher erwähnt, auf Pelzhändlerverbände usw. -, damit dies nicht geschieht. Das Beispiel zeigt ja, dass schon seit Jahren keine Katzen- und Hundefelle mehr als Ganzes in die Schweiz importiert werden.

Ich bitte Sie, dem Antrag der Minderheit auf Streichung von Absatz 2 zu folgen.

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