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Föhn Peter · Nationalrat · 2005-06-14

Föhn Peter · Nationalrat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2005-06-14

Wortprotokoll

Diese Volksinitiative "für Lebensmittel aus gentechnikfreier Landwirtschaft" kann wegweisend sein, und zwar nicht nur für unsere Landwirtschaft oder für unsere Chemieindustrie. Sie kann besonders wegweisend für den Konsumenten im Inland, insbesondere aber auch für den Konsumenten im Ausland sein. Die Behandlung der Initiative, das Pro und Contra, darf auf keinen Fall ein Gegeneinander von Wirtschaft und Landwirtschaft sein. Es muss ein Nebeneinander geben. Es wird ein Nebeneinander von Wirtschaft, das heisst Chemie, und Landwirtschaft geben!

Die Schweiz hat sich schon oft von anderen Staaten abgehoben. Die Schweiz hat schon oft viele und gute Produkte und Dienstleistungen hervorgebracht, auch in der Forschung. Schweizer Produkte haben weltweit einen guten Namen. Dieser gute Name genügt heute nicht mehr. Wir müssen uns irgendwie absetzen, wir müssen uns immer und immer wieder absetzen: absetzen vom weltweiten Standard, absetzen vom weltweiten Durchschnitt. Das heisst nichts anderes, als dass wir auch im Nahrungsmittelbereich ein spezielles Label schaffen müssen. Spezielle Labels können wir nur schaffen, indem wir uns von allen anderen Produkten auf dem Markt klar absetzen. Wir könnten uns unter anderem absetzen, wenn die Schweiz weltweit verkünden könnte, dass von uns nur GVO-freie Nahrungsmittel im Verkauf und nur gentechfreie Schweizer Produkte auf dem Ladentisch und in speziellen Regalen vorzufinden seien. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Schweizer Landwirtschaft nur mit speziellen Produkten, mit Nischenprodukten, überleben kann, denn besonders in unseren Berg- und Randgebieten wird einzig die kleinstrukturierte Landwirtschaft überlebensfähig sein. Bei uns wird im Verhältnis nur sehr wenig produziert. Es muss, global betrachtet, eigentlich sehr wenig abgesetzt werden.

Wenn wir unseren Lebensstandard halten wollen, haben unsere Produkte auch einen entsprechenden und speziellen Preis. Rare, gute, spezielle und einzigartige Produkte dürfen auch etwas kosten. Ja, diese Nischenprodukte, welche sich von anderen Produkten abheben, müssen mehr kosten. Unsere Landwirtschaft wie auch die allgemeine Schweizer Wirtschaft und Industrie haben mit ihrer Kostenstruktur keine Chance, auf dem Weltmarkt zu überleben, wenn wir uns anpassen und das Gleiche produzieren und machen wie der Rest der Welt. Entweder passen wir uns allseits, auch wohlstandsmässig, an - d. h. gleicher Lohn, gleich schlechte Sozialleistungen, gleicher Lebensstandard usw. -, oder wir heben uns irgendwie ab. Das können wir nur mit einem speziellen Label, mit einzigartigen Produkten, tun. Denn wenn ich in meiner Möbelproduktion genau gleiche, vergleichbare oder nur ähnliche Produkte wie die anderen Europäer oder die Asiaten herstellen würde, hätte ich keine Chance zu überleben. Auch ich muss mich irgendwie absetzen: mit Design, Qualität und prompter Bedienung. So darf es auch mehr kosten, ansonsten müsste ich einige Dutzend Arbeitsplätze "zurückfahren".

Geben wir der Landwirtschaft diese Chance, denn sie ist gewillt, einen besonderen Effort zu leisten. Die Bauern sind gewillt, ein "Swiss Label" zu erarbeiten. Geben wir unseren Nahrungsmittelproduzenten, was die Konsumenten in der Schweiz verlangen und was eine besondere Schicht weltweit auch zu bezahlen bereit ist. Mit GVO-freien Produkten könnte sich die Schweizer Landwirtschaft abheben und eben ein spezielles Label schaffen. Unsere Chemie kann genau gleich weiterforschen, der Forschungsplatz Schweiz wird keinesfalls gefährdet. Es gibt ein Nebeneinander. Letztendlich wäre es ein Win-win-Spiel, denn das vorgeschlagene Moratorium gilt nicht auf immer und ewig; man kann damit erste und wichtige Erfahrungen sammeln.