Hassler Hansjörg · Nationalrat · 2005-06-14
Hassler Hansjörg · Nationalrat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2005-06-14
Wortprotokoll
Die Schweizer Bäuerinnen und Bauern und die Konsumentinnen und Konsumenten sind gegen den Einsatz der Gentechnologie in der Landwirtschaft. Der Schweizerische Bauernverband und zahlreiche weitere bäuerliche Organisationen wollen keine Gentechnik in der Landwirtschaft. Eine repräsentative Umfrage bei der Schweizer Bevölkerung vom Februar 2004 zeigt ganz klare Resultate. Auf die Frage, was sie von Gentechnik in der Landwirtschaft hielten, antworteten die Befragten wie folgt: 67 Prozent lehnen die Gentechnik in der Landwirtschaft strikte ab. Rund 20 Prozent stimmen zu, und rund 12 Prozent haben keine Meinung dazu. Die Haltung der Landwirtschaft und der übrigen Bevölkerung zu dieser Frage ist eindeutig und lässt keine Zweifel offen.
Die logische Folge davon wäre eigentlich der klare Verzicht auf die Gentechnologie in der Landwirtschaft. Dem ist aber leider nicht so. Die Pflanzen- und Agrarforschung und die Gentechnikindustrie sehen hier ein Entwicklungspotenzial für die Schweizer Landwirtschaft und wollen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft gegen den Willen der Bevölkerung und der Bauern vorantreiben.
Das grosse Problem des Einsatzes der Gentechnologie in der Landwirtschaft ist die Sicherstellung der Koexistenz von gentechnikfreien und gentechnisch veränderten Pflanzen. Dies trifft vor allem für die kleinräumige Schweiz zu. In der Schweiz findet eine vielfältige Nutzung der Ackerflächen statt. Die Bauern halten Fruchtfolgen ein, die Grösse der Äcker ist sehr begrenzt. Insgesamt existiert eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft, was auch für die Natur vorteilhaft ist. In diesem kleinräumigen Umfeld ist ein Nebeneinander von Gentech-Landwirtschaft und gentechfreier Landwirtschaft schlicht nicht möglich. Es ist die Regel, dass in einem Dorf oder in einer Region sowohl Biobauern als auch IP-Bauern und Bauern von konventionell geführten Betrieben ihre Felder nebeneinander bewirtschaften. Wie soll sich ein Biobauer davor schützen, dass seine Kulturen wegen des Einsatzes von Gentechnologie durch seine Nachbarn verunreinigt werden? In der Praxis ist dies unmöglich. Die Gentechnikfreiheit der biologischen Landwirtschaft in der Schweiz könnte nicht sichergestellt werden. Das ist ein ungelöstes Problem, und diesem Umstand wurde im Gentechnikgesetz zu wenig Rechnung getragen.
Auch die saubere Trennung gentechfreier und gentechnisch veränderter Produkte beim Transport und bei der Verarbeitung wäre ausserordentlich umständlich und kostspielig.
Die "Gentechnik-Freiheit" bietet für die Schweiz auch klar bessere Marktchancen. Die Schweizer Landwirtschaft ist mehr und mehr den internationalen Märkten ausgesetzt. Die Landwirtschaft kann ihre Produktion nicht verlagern; sie muss im Umfeld der Schweiz mit ihren hohen Kosten produzieren. Schweizer Bauern können bei den ökonomischen und naturgegebenen Voraussetzungen ihre Produkte nicht zu EU- oder gar zu Weltmarktpreisen anbieten. Deshalb ist es von grosser Bedeutung, dass sich unsere Produkte durch ausserordentlich hohe Qualität und einen höheren Standard in Bezug auf Ökologie und Anbaumethoden von den ausländischen Produkten abheben. Dazu bietet die "Gentechnik-Freiheit" eine ausserordentliche Chance.
Wir Bauern und die Nahrungsmittelhersteller können Lebensmittel aus Schweizer Landwirtschaftsproduktion im Markt im In- und Ausland als gentechfrei positionieren. Das sind unsere Trümpfe, nicht die Nachahmung einer industriellen Landwirtschaft der grossen Agrarländer! Mit der Menge werden wir nie konkurrenzfähig sein. Unsere Chancen liegen in einer hochstehenden Qualität unserer Produkte. Dazu gehört eine gentechnikfreie Landwirtschaft.
Das Einkommen der Schweizer Bauernfamilien kann nicht durch eine Massenproduktion gehalten werden, sondern ganz klar durch eine naturnahe, ökologische und gentechfreie Landwirtschaft.
Aus meiner Sicht ist die Initiative nach wie vor nötig, weil im Zusammenhang mit der Gentechnologie in der Landwirtschaft noch zu viele Fragen offen sind. Die Forschung und wir alle brauchen daher mehr Zeit, um die tatsächlichen Auswirkungen der Gentechnik in der Landwirtschaft kennen zu lernen und um diesbezüglich gesicherte Resultate zu erhalten. Die Unsicherheiten beim Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft sind heute aus meiner Sicht immer noch zu gross. Und vergessen wir eines nicht: Wenn wir in diesem Bereich Fehler machen, ist es zu spät; es gibt kein Zurück mehr.
Ich bitte Sie daher, die Gentechfrei-Initiative zur Annahme zu empfehlen und den Rückweisungsantrag Randegger abzulehnen.