Frick Bruno · Ständerat · 2005-10-07
Frick Bruno · Ständerat · Schwyz · Christlichdemokratische Fraktion · 2005-10-07
Wortprotokoll
Bevor ich nun die Session schliesse, darf ich - oder besser: muss ich - noch unseren Kollegen Jean Studer verabschieden. Ein Müssen ist es, weil wir ihn ungern aus unserem Rate ziehen lassen. Ein Dürfen ist es, weil ich, nachdem sein Weggang nun unumstösslich ist, es als freundschaftliches Privileg betrachte, ihn zu verabschieden.
Jean Studer hat sich nach seiner Wahl in den Regierungsrat des Kantons Neuenburg entschieden, den Ständerat auf Beginn der nächsten Session zu verlassen. Er hat es vorgestern so ausgedrückt: Die Neuenburger Verfassung würde es wohl gestatten, aber die Agenda verbiete es ihm, im Ständerat zu bleiben.
Jean Studer ist im Oktober 1999 in unseren Rat gewählt worden. Er hat sich hier schnell den Ruf erarbeitet, fachlich kompetent und für seine Überzeugungen engagiert zu kämpfen. In persönlicher Hinsicht hat er sich rasch eine hohe Wertschätzung erarbeitet, und ich darf sagen, Jean: Dein Herz ist so gross wie die Länge Deines Körpers, und es ist so offen wie Dein legendärer Hemdkragen. (Heiterkeit)
Jean Studer war aktiv als Mitglied der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit sowie der Geschäftsprüfungs- und der Redaktionskommission. In dieser Legislatur war er zudem Mitglied der Kommission für Rechtsfragen, der Gerichtskommission sowie der Kommission für Wirtschaft und Abgaben; er war weiter Präsident der Staatspolitischen Kommission und Mitglied der Delegation bei der Parlamentarischen Versammlung der Frankophonie. Sowohl in den Kommissionen als auch im Rat hat uns Jean Studer immer wieder beeindruckt durch seine rasche Auffassungsgabe, seine Redegewandtheit, seine unverkennbare sonore Stimme und seine unbändige Lust am Debattieren.
Der Ständerat war ein ideales Podium für Deine Fähigkeiten, lieber Jean, und es fällt uns schwer zu glauben, dass Du darauf freiwillig verzichtest. Doch wenn ich die Zusammensetzung Deines Departementes in Neuenburg ansehe, beginne ich Dich zu verstehen: Es vereinigt Militär, Justiz und Finanzen - eine Machtfülle, die einer demokratischen Revolution gleichkommt und viele Regierungsräte vor Neid erblassen lässt. (Heiterkeit) Nun, die Mischung ist verständlich. Alle Gebiete kennst Du aus eigener Erfahrung, sogar in ihrer Kombination, wie etwa Militär und Justiz. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass in Neuenburg die Bank des Regierungsrates etwas grösser ausgemessen ist als das Pult eines Ständerates und es also nicht mehr vorkommen kann, dass an Deiner Stelle der Justizminister das Berichterstattervotum hält, während Du Deine Akten suchst - (Heiterkeit) ganz abgesehen davon, dass Du in Neuenburg jetzt selber Justizminister bist. Vielleicht sind auch die Telefonkabinen in Neuenburg etwas geräumiger als jene neben den Vorzimmern des Ständerates.
Im Wahlkampf für den Regierungsrat hast Du einmal gesagt: "Je souhaite voir ce canton être un modèle de cohésion sociale, une référence en matière de développement économique et un symbole de tolérance et d'ouverture." Ich bin mir sicher, diese Grundwerte gelten für Dich auch allgemein. Deine Vorbilder, so habe ich erfahren, sind die französischen Politiker Jean Jaurès und Pierre Mendès-France. Sie haben ihre starken Überzeugungen mit einem gesunden politischen Pragmatismus verbunden, wie Du es tust. Wir haben in den vergangenen sechs Jahren auch bei Dir diese Verbundenheit geschätzt, ebenso wie Deinen Sinn für Humor und Lebensgenuss sowie Deine Herzlichkeit im persönlichen Umgang.
Zum Schluss bleibt uns, Dir für Deinen Einsatz als Ständerat und für Deine Kollegialität zu danken, und wir wünschen Dir in Deinem Amt als Regierungsrat, auch persönlich, viel Erfolg und Befriedigung. Du wirst diesem Rat fehlen, Du und Dein herzliches, erfrischendes Lachen, das schon manchen amtlichen Staub weggeweht hat. Es ist Dir in Bern bei allen politischen Unterschieden, die Dich von Deinen Kolleginnen und Kollegen trennen können, gelungen, menschlich zu verbinden. Wir wünschen Dir, dass Dir diese Gabe in Neuenburg reichlich erhalten bleibt. Auf Wiedersehen, Jean! (Grosser Beifall)
Damit sind wir am Ende der Session angelangt. Ich wünsche Ihnen eine gute Heimkehr und eine gute Zeit. Bis zur Wintersession, auf Wiedersehen.
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Schluss der Sitzung und der Session um 09.10 Uhr
Fin de la séance et de la session à 09 h 10
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