Sommaruga Simonetta · Nationalrat · 2000-09-18
Sommaruga Simonetta · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-09-18
Wortprotokoll
Der Bundesrat schreibt in seiner Antwort auf die Motion der grünen Fraktion, dass Antibiotikaresistenzgene als Markergene nicht verwendet werden sollten, wenn dies vermeidbar ist respektive wenn es gleichwertige Möglichkeiten gibt. Heute aber ist in der Schweiz eine Maissorte zugelassen, bei der ein Antibiotikaresistenzgen verwendet wird, und zwar eben als Markergen - dies, obwohl gleichwertige Möglichkeiten vorhanden sind. Frau Gonseth hat es gesagt: Die Novartis, deren Bt-Mais im Moment in der Schweiz zugelassen ist, hat dazu selber Alternativen entwickelt; schon als dieser Bt-Mais zur Zulassung beantragt wurde, war er ein Auslaufmodell. Heute gibt es also Alternativen; Antibiotikaresistenzgene als Markergene werden überhaupt nicht mehr eingesetzt. Es wäre deshalb angemessen, die Zulassung zurückzuziehen - denn es gibt eben Alternativen.
Zur Freisetzung möchte ich sagen, dass wir nicht grundsätzlich dagegen sind. Hier geht es jedoch darum, dass wir noch eine Risikoforschung betreiben. Der Bundesrat schreibt ja selber: ".... könnte im Hinblick auf die Komplexität der Vernetzung von Lebensgemeinschaften und Lebensräumen ein zusätzliches Risiko darstellen." Hier wäre eine Risikoforschung also sicher notwendig.
Noch etwas anderes möchte ich Ihnen zu bedenken geben: In Bezug auf Gentech-Lebensmittel wünschen über neunzig Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher die Wahlfreiheit. Heute gibt es zwar eine Deklarationspflicht für Gentech-Lebensmittel; diese weist aber bedenkliche Lücken auf. So werden Produkte, die von Tieren stammen, die mit Gentech-Futtermitteln gefüttert werden, nicht deklariert. Und Mais, auch dieser Bt-Mais, der in Lebensmitteln in Form von Stärke vorkommt, muss ebenfalls nicht deklariert werden - das betrifft Tausende von Lebensmitteln. Ich finde, im Moment haben wir zu viele Lücken - zu viele Wissenslücken, Lücken bei der Wahlfreiheit.
Deshalb bitte ich Sie, dem Vorschlag der grünen Fraktion zuzustimmen, die Motion in Form eines Postulates zu überweisen. Ich glaube, dass dieses Postulat für alle eine Chance ist. Ein Moratorium lässt uns Zeit; es lässt der Forschung Zeit, Risiken zu erforschen, es ist aber auch eine Chance für die Landwirtschaft - denn wir wollen ja nur sichere und gut geprüfte Produkte anbauen. Es ist auch eine Chance für den Markt, denn so können wir verhindern, dass weiterhin Flops produziert werden und auf den Markt kommen.