Genner Ruth · Nationalrat · 2005-12-13
Genner Ruth · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2005-12-13
Wortprotokoll
Sie haben es von meiner Vorrednerin gehört: Die grüne Fraktion will gerne auf das vorliegende Geschäft eintreten und ist froh, dass wir über dieses unser Anliegen und das Anliegen von Kantonen und Regionen endlich debattieren können.
Pärke von nationaler Bedeutung sind ein Musterbeispiel nachhaltiger Entwicklung. Sie entstehen, wir haben es bereits gesagt, "bottom-up" und partizipativ. Das bedeutet, dass sich Gemeinden, Regionen oder Kantone für diese Projekte aussprechen. Die Basis für die Parkprojekte ist damit die Freiwilligkeit. Verschiedenste Regionen sehen den Nutzen von Natur- und Heimatschutz und stehen ihm positiv gegenüber. Ich meine, Herr Brunner, Ihre schnoddrige Ignoranz hilft weder den Randregionen noch den bedrohten Tierarten.
Pärke von nationaler Bedeutung enthalten eine notwendige Balance von Schutz und Nutzung. Ohne eine solche Balance würden wir unser Kapital in Form von lebens- und besuchenswerten Landschaften verschleudern. Naturpärke, die sowohl dem Schutz wie auch interessierten Besucherinnen und Besuchern verpflichtet sind, hat es im Ausland in grosser Zahl. Dieses Konzept ist also gut erprobt. In den umliegenden Ländern der Schweiz gibt es über 200 Nationalpärke und regionale Naturpärke.
Pärke von nationaler Bedeutung entsprechen dem Konzept der neuen Regionalpolitik. Sie sind keine einmalige Einzelmassnahme, sondern enthalten eine Entwicklungsperspektive für die Region. Neue Pärke können die regionale Wertschöpfung stärken. Damit die Pärke jedoch zu Erfolgsprojekten werden, braucht es auf der Seite der Natur genauso intensive Anstrengungen wie auf der Seite der regionalen Wirtschaft und Gesellschaft. Auch wir Grünen unterstreichen: Neue Pärke sollen die Wertschöpfung in Randregionen stärken; das ist unbestritten. Für viele ist das aber offenbar das einzige erstrebenswerte Ziel, und das ist gefährlich. Wenn bezüglich der Natur nicht auch ein erkennbarer Mehrwert entsteht, dann werden die wirtschaftlichen Erfolge ausbleiben, denn die Besucherinnen und Besucher werden nämlich rasch erkennen, ob das Label stimmt, ob dort, wo im Konzept und im Namen "Natur" drinsteht, auch Natur drin ist.
Mit Pärken soll die Natur aktiv unterstützt werden. Sie sollen Platz für Wildnis und sie sollen bedrohten Arten Lebensraum bieten, und der traditionellen Kulturlandschaft soll Sorge getragen werden. Nur wenn sich die Pärke von einer Landschaft ohne Park abheben, werden sie für Gäste glaubwürdig sein und nachhaltigen Erfolg haben. Wir erleben, wie immer mehr versucht wird, dem staatlichen Naturschutz den Schnauf abzustellen, während die roten Listen bedrohter Tier- und Pflanzenarten länger werden.
Wir Grünen erwarten, dass diesem Raubbau mit solchen Pärken selbstbewusst entgegengesteuert wird. Dazu müssen sie die nötige Förderung erhalten, aber auch hohe Anforderungen erfüllen. Wir unterstützen deshalb ausdrücklich, dass Bundesmittel für die Pärke eingesetzt werden können. Wir unterstützen die Bestrebung, die Formulierung des Ständerates nicht nur zu sichern, sondern sie noch zu verstärken.
Auf der anderen Seite wird die grüne Fraktion die Anträge zu den Flusspärken nicht unterstützen. Flusspärke sind als Anliegen einzelner Regionen zu betrachten. Sie passen nicht in die vorgeschlagenen Kategorien von Pärken. Überdies sind die meisten Flusslandschaften schon heute als Auengebiete geschützt. Es ist schon heute möglich, diese Flusslandschaften in Pärke umzuwandeln. Es entsteht kein Mehrwert, wenn wir einen Flusspark mit kleinen, einzelnen, nichtzusammenhängenden Regionen machen. Denn da verbirgt sich ein Flickwerk, und diese vielen kleinen, nichtzusammenhängenden Schutzgebiete helfen der Natur nicht weiter.
Ich bitte Sie einzutreten.