Noser Ruedi · Nationalrat · 2006-03-14
Noser Ruedi · Nationalrat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2006-03-14
Wortprotokoll
Ich hoffe, Sie ertragen einen dritten Volksvertreter aus Zürich in Folge, der das Wort ergreift. Ich werde es dafür etwas kurz machen. [PAGE 209]
Die FDP-Fraktion unterstützt den Rückweisungsantrag, und wir unterstützen auch geschlossen die Motion der WBK. Die Rückweisung befriedigt uns aber nicht in allen Punkten. Wenn man nämlich die Sache genau studiert und das Amtliche Bulletin zu den Verhandlungen im Ständerat liest, sieht man, dass das Geschäft mit höchster Wahrscheinlichkeit auch über die Bühne hätte gebracht werden können. Wir möchten insbesondere die Rückweisung nicht dahingehend verstanden haben, dass sie so interpretiert wird, als ob man dann ein Fait accompli machen und die ganze Organisation umstellen könnte, ohne dass sich das Parlament noch einmal dazu äussern könnte. Insbesondere, das möchte ich hier klar festhalten, scheint es aus unserer Sicht nicht angebracht, dass eine Verwaltung die Museen direkt führen kann. Das kann keine verwaltungstechnische Aufgabe sein. In diesem Sinne schliesse ich mich allen Vorrednern an, und auch wir fordern eine Organisation im dritten Führungskreis. Wir möchten allerdings präzisieren, dass es dort noch andere mögliche Organisationsformen als nur Stiftungen gibt. Denken Sie daran, auch die ETH ist eine Organisationsform im dritten Führungskreis und ist keine Stiftung in dem Sinn. Uns ist nur der dritte Führungskreis wichtig, für die Rechtsform erwarten wir kreative Vorschläge von den entsprechenden Verwaltungen.
Der dritte Führungskreis ist nicht nur wichtig wegen der Organisationsform, sondern er ist auch wichtig wegen der Finanzmittel. Es ist vermutlich heute in einem modernen Museumsbetrieb sehr sinnvoll, wenn sich auch Dritte an der Führung dieses Museumsbetriebes beteiligen können. Hier ist nicht nur an private Sponsoren zu denken, sondern es könnte ja durchaus sein, dass sich zum Teil auch Standortkantone mehr engagieren möchten oder könnten, als sie das heute tun.
Ebenfalls möchte ich ein klares Statement zu der Aufgabe abgeben, die das Landesmuseum heute ausführt. Das Sammeln von zeitgenössischen Gegenständen - etwas, was vielleicht allzu oft unter den Teppich fällt, weil es erst unsere Nachkommen interessiert - ist etwas vom Wichtigsten, was man tun kann. Ich habe in der Kommission ein Beispiel gebracht, das humorvolle Bemerkungen zur Folge hatte, aber ich bringe es noch einmal: Schauen Sie mal die Entwicklung der Badezimmer in den letzten 50 Jahren an. Wer wird uns das in 100 Jahren zeigen, wie sich so etwas entwickelt hat? Es scheint mir wichtig, dass wir diese Sammlungstätigkeit auch wirklich unterstützen und dass wir das auch attraktiv ausstellen können. Stichwort attraktiv ausstellen: Wenn Sie in die Welt hinausgehen und historische und zeitgenössische Museen anschauen, dann sehen Sie, wenn Sie nachher in das Schweizerische Landesmuseum kommen: Wir haben hier einen intensiven Nachholbedarf. Ich würde mich freuen, wenn ein Neubau entstehen würde, der es uns ermöglichte, auch hier aufzuholen.
Zur Museumspolitik: Es wurde vorhin gesagt, es sei wichtig, dass man das alles durchdenke und überprüfe. Mir ist es klar, dass man vermutlich am ehesten auf der grünen Wiese eine neue Museumspolitik machen möchte. Aber wir müssen uns bewusst sein: Wir sind nicht auf einer grünen Wiese. Wenn Sie die Landesmuseen anschauen, dann stellen Sie fest, dass grosse Teile davon Stiftungen sind, die von Dritten gekommen sind. Diese Stifter haben haargenau festgelegt, wie sie sich ihre Museen vorstellen. So hat z. B. bei der Stiftung am Römerholz in Winterthur der Stifter gesagt, dass die Stiftung in diesem Haus sein müsse; er hat auch festgelegt, dass diese Bilder in diesem Haus gezeigt werden müssen, und er hat auch festgelegt, dass diese Bilder das Haus nicht verlassen dürfen. Dieser Stifterwille ist an und für sich zu berücksichtigen und in eine solche Strategie einzubauen. Darum haben Sie ja nicht die Illusion, dass Sie mit einer neuen Vorlage zu einer komplett neuen Museumslandschaft kommen werden. Das wird nicht möglich sein.
In diesem Sinne möchte ich Sie bitten, den Rückweisungsantrag und auch die Motion, die fordert, dass ein Neubauprojekt vorzulegen sei, anzunehmen.