Lexipedia

Fehr Mario · Nationalrat · 2006-03-16

Fehr Mario · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2006-03-16

Wortprotokoll

Die Euro 2008 ist ein Projekt der Schweiz. Sie ist ein Projekt der ganzen Schweiz, und sie ist nicht nur ein Projekt der Städte Zürich, Bern, Genf und Basel. Wenn Sie sich an die letzte Fussball-Europameisterschaft zurückerinnern, so werden Sie mir kaum sagen können, wo genau in Portugal die Spiele stattgefunden haben. Auch diejenigen unter ihnen, die sich für Fussball interessieren, werden mir dies nicht sagen können. Sie werden mir aber sagen können, dass diese Fussball-Europameisterschaft in Portugal stattgefunden hat, und Sie werden mir auch zubilligen, dass das Image von Portugal durch diesen Anlass ganz wesentlich mitgeprägt worden ist.

Ich habe heute ein bisschen den Eindruck, Sie sprächen über die Organisation einer "Chilbi" oder eines regionalen Turnfestes. Dieser Anlass, über den Sie hier und heute sprechen, ist der drittgrösste Sportanlass der Welt. Das ist eben keine "Chilbi" und kein regionales Turnfest; es ist der drittgrösste Sportanlass der Welt, und es ist eine Riesenchance für dieses Land. Die Schweiz hat nicht jeden Tag einen solchen Sportanlass, nicht einmal in jedem Jahrzehnt. Diese Chance sollten Sie, sollten wir uns nicht entgehen lassen.

Die Vorteile dieses Anlasses liegen auf dem Tisch. Wir leisten erstens einen wesentlichen Beitrag zur Integration. Nur schon das Bild, das unsere Fussball-Nationalmannschaft aufgrund ihrer Vielfalt abgibt, aber auch die Begegnungen mit vielen anderen Ländern, die im Rahmen einer solchen Fussball-Europameisterschaft möglich sind, sind wichtig und wertvoll. Wir leisten zweitens einen wesentlichen Beitrag zum Breitensport. Ich finde es völlig falsch, dass Breiten- und Spitzensport immer wieder gegeneinander ausgespielt werden. Als für den Sport verantwortlicher Ressortvorsteher einer Zürcher Vorortsgemeinde kann ich Ihnen sagen, dass die jungen Menschen Vorbilder brauchen. Sie müssen Sportler nachahmen können, wenn sie sich für einen Sport begeistern sollen. Es gibt keinen Sport, der eine solche Breitenwirkung entfalten kann wie der Fussball.

Ihre Anträge, vor allem diejenigen der SVP-Fraktion, zeugen meines Erachtens von einem fast unerträglichen Kleinkrämertum und werden diesem Anlass nicht gerecht. Bekennen Sie sich zum Sport, oder lassen Sie es. Aber lassen Sie diese Kleinkrämerei mit all diesen vielen Anträgen, die sich zum Teil gegenseitig widersprechen. Sie müssen sich entscheiden, ob Sie diese Fussball-Europameisterschaft in unserem Land wollen, dann sagen Sie Ja, oder ob Sie sie nicht wollen, dann sagen Sie Nein.

Dies gilt - ich komme jetzt auf einige der Minderheitsanträge zu sprechen - beispielsweise für den Minderheitsantrag zum Beitrag an das Standortmarketing. Erinnern Sie sich noch, wo die Fussball-Weltmeisterschaft 2002 stattgefunden hat? Wissen Sie, dass diese Fussball-Weltmeisterschaft nicht nur in Südkorea, sondern auch in Japan stattgefunden hat? Viele von Ihnen wissen es nicht, und auch in der Öffentlichkeit weiss man eigentlich nur, dass Südkorea diese Fussball-Weltmeisterschaft organisiert hat. Wieso ist das so? Es ist so, weil Südkorea diese Chance damals genutzt hat. Ich meine, Sie können "das Japan" der Europameisterschaft 2008 werden: Sie können also nichts tun. Sie können aber auch versuchen, "das Südkorea" dieser Europameisterschaft zu werden.

Um es Ihnen noch klarer zu machen: Österreich gibt für diese Europameisterschaft viel mehr Geld aus als den maximalen Betrag, den Sie hier und heute beschliessen könnten. Alleine das Bundesland Kärnten gibt einen höheren Betrag für Standortmarketing aus, als der Bund dies tut. Sie müssen sich heute entscheiden: Wollen Sie die Schweiz positionieren, oder wollen Sie dies nicht tun?

Bei der Prävention bin ich in völliger Übereinstimmung mit Herrn Amstutz. Es ist wichtig, diesen Anlass für die Prävention zu nutzen. Das ist in Ordnung. Aber, Herr Amstutz, Sie sollten deswegen nicht andere Projekte streichen wollen. Ich stimme mit Ihnen aber überein, dass dieser Anlass genutzt werden sollte. Genau darum hat es hier in diesem Kredit auch einen Beitrag für die Prävention enthalten.

Bezüglich der Kombitickets muss ich Ihnen Folgendes sagen: Wollen Sie die Städte auch noch für das allein bezahlen lassen? Ich finde das nicht in Ordnung. Ich finde es richtig, wenn sich der Bund an diesen Ausgaben beteiligt. Das Gleiche gilt für den Beitrag an die Host Cities. Um es noch einmal zu sagen: Genf, Basel, Bern und Zürich, sie alle tragen mit der Fussball-Europameisterschaft grosse Lasten, und diese Städte sind bereit, diese Lasten zu tragen. Die Bevölkerung freut sich auf die Fussball-Europameisterschaft - aber bitte sehr, lassen Sie die Städte nicht alleine. Auch der Vergleich mit der Expo hinkt. Bei der Expo waren wir nicht so im Schaufenster von ganz Europa, ja der ganzen Welt, wie bei diesem Anlass.

Selbstverständlich haben diese Anlässe ihren Preis. Das haben wir aber gewusst, als wir uns beworben haben. Dieser Preis ist meines Erachtens nicht zu hoch, weil die Fussball-Europameisterschaft einen sehr starken Nutzen für die beteiligten Städte, für die beteiligten Kantone, für die Schweiz als Ganzes hat. Es ist ein Projekt der Schweiz, und wenn Sie hier und heute abstimmen, müssen Sie sich klipp und klar entscheiden: Wollen Sie diese Fussball-Europameisterschaft? Wenn Sie sie wollen, dann sagen Sie Ja zum ganzen Kredit, Sie sagen Ja zu einem Projekt, das die Schweiz nach vorne bringt.

Fehr Mario · Nationalrat · 2006-03-16 | Lexipedia | Lexipedia