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Vollmer Peter · Nationalrat · 2006-03-22

Vollmer Peter · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2006-03-22

Wortprotokoll

Wir haben uns in der letzten Woche ja mit deutlichen Mehrheiten zu diesem Anlass bekannt, haben die nötigen Mittel gesprochen. Das war gut so, ich habe das alles auch unterstützt, ich glaube, das war ein richtiger Entscheid. Wir kommen mit diesen zusätzlichen Beratungen jetzt fast ein bisschen wie die alte Fastnacht hinterher.

Es geht mir bei meinem Antrag aber eigentlich um etwas sehr Wichtiges. Mein Antrag zielt ja darauf hin, dass im Rahmen dieses Anlasses Euro 2008 weder durch die Uefa noch durch die schweizerischen Veranstalter Alkoholpromotion gemacht werden kann. Sie werden sich jetzt fragen: Kommt jetzt hier irgendwie ein Antialkoholiker? Keineswegs ist das so. Ich habe überhaupt nichts gegen Alkohol, wenn man ihn richtig konsumiert. Wir wissen aber - und letzte Woche war das ja auch im Mittelpunkt der Begründung -, weshalb die Öffentlichkeit hier sehr viele Mittel sprechen muss: Das ist wegen der Probleme, die wir bei der Sicherheit haben, das ist wegen der Probleme, die wir im Zusammenhang mit diesem sogenannten Hooliganismus haben - eine hässliche Seite dieser Massenveranstaltungen.

Dieser Hooliganismus - das müssen wir hier ganz klar sagen - hat ganz wesentlich etwas mit dem übermässigen Alkoholgenuss zu tun, Hooliganismus ist eng verflochten mit dem Alkoholismus. Diese Fans betrinken sich, und dann gibt es Ausschreitungen. Es ist ganz klar, dass dieser Zusammenhang offensichtlich in allen Studien am deutlichsten wird. Sie konnten am letzten Wochenende in der Sonntagspresse dazu lesen: Die Polizeikorps machen sich Sorgen, erwägen ein Alkoholverbot. Im Stadion ist das ohnehin der Fall, das ist überhaupt kein Problem. Der Antrag, den Frau Hollenstein noch in Ergänzung zu meinem Antrag eingereicht hat, ist also eigentlich bereits erfüllt. Das ist überhaupt kein Problem. Es geht hier aber nicht um den Genuss, es geht um die Promotion.

Welche Schizophrenie! Wir beschliessen 82 Millionen Franken, wir beschliessen Massnahmen für die Prävention, wir beschliessen Massnahmen zur Fanarbeit für die Einschränkung des Hooliganismus, und gleichzeitig machen die Veranstalter, die Uefa und der Schweizerische Fussballverband, Alkoholpromotion, tun sich mit Bierfirmen zusammen und verdienen das grosse Geld, indem sie allen diesen Sportlern, allen diesen Besuchern ans Herz legen, Alkohol zu trinken, Bier zu konsumieren. Das ist die grosse Geldquelle.

Das kann doch nicht zusammengehen! Welch eine Schizophrenie: Wir bezahlen die Kosten, wir machen die Prävention, und auf der anderen Seite wird mit demselben Anlass Geld verdient, indem man genau das in die Promotion setzt, was uns dann ursächlich die Sorgen bereitet, mit denen wir in der Folge fertig werden wollen. Deshalb ist es für mich überhaupt keine Frage: Es ist völlig evident, dass wir die Sprechung dieser Mittel abhängig von der Auflage machen, dass im Rahmen dieses Anlasses weder durch die Uefa noch durch die schweizerischen Veranstalter Alkoholpromotion gemacht werden darf. Das ist ein Stück Glaubwürdigkeit, und gerade auch der Sport, der da quasi eine eigene höhere Ethik in Anspruch nimmt - Gesundheit, Bewegung [PAGE 372] usw. -, muss sich mit diesem Widerspruch auseinander setzen.

Ich bitte Sie deshalb: Stimmen Sie meinem Antrag zu, seien Sie hier konsequent, auch gegenüber der Bevölkerung, die zum Teil Mühe hat, dass wir so hohe Beträge sprechen! Sie soll wissen, dass wir diese Beträge nicht einfach sprechen, weil wir im Zugzwang sind, sondern weil wir auch ein Fest wollen. Sie soll wissen, dass wir diese Beträge nicht für Veranstalter sprechen, die in der Folge mit ihren Aktionen gleichzeitig genau wieder jene Wirkungen verursachen, die wir dann mit den öffentlichen Mitteln bekämpfen wollen.

Ich bitte Sie deshalb: Stimmen Sie meinem Antrag zu! Es darf keine Promotion von Alkohol geben, wenn wir gleichzeitig Millionen von Franken aufwerfen müssen, um dann die schädlichen Wirkungen des Alkoholkonsums an dieser Veranstaltung - nicht nur im Stadion, sondern im Umfeld, in den ganzen Städten, die das organisieren - mit vielen Mitteln zu bekämpfen.