Schiesser Fritz · Ständerat · 2006-06-07
Schiesser Fritz · Ständerat · Glarus · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2006-06-07
Wortprotokoll
Nach dieser einlässlichen Eintretensdebatte erlaube ich mir zwei, drei kurze Bemerkungen im Anschluss an das Votum von Herrn Germann.
Wir werden 2008 mit der EM ein grosses Ereignis haben, das entsprechende Publizität mit sich bringt. Man wird auf uns schauen, und da ist es selbstverständlich und entspricht unserem Naturell, dass wir dieses Ereignis mit unseren Qualitäten und unseren Fähigkeiten organisieren und durchführen wollen. Dieses Ereignis soll ein Erfolg werden, wir freuen uns auch darüber, dass wir ein solches Ereignis in unserem Land zusammen mit einem anderen Land veranstalten werden. Wir wollen alles tun, damit eben dieses Ereignis auch ein gutes Bild von unserem Land vermittelt. Das kostet selbstverständlich Geld. Wenn es nur so viel kostet, wie jetzt vorgesehen ist, können wir uns auch darüber freuen. Vielleicht wissen wir über Sicherheitsstandards in einem Monat bereits mehr - oder zumindest gibt es Anlass dazu, Weiteres zu überdenken. Vielleicht wird dies auch nicht der Fall sein; wir werden sehen, wie die Weltmeisterschaft in Deutschland endet.
Warum sage ich das? Ich hatte als Mitglied der WBK vor zwei Wochen Gelegenheit, an einer Veranstaltung in Deutschland dabei zu sein. An dieser Veranstaltung wurden unter anderem zwei Themen behandelt: zum einen das Sicherheitskonzept, wie es für die Weltmeisterschaft 2006 vorgesehen ist. Das ist eine Riesenaufgabe, die da zu bewältigen ist, auch wenn wir an dieser Veranstaltung ja nur die Grundzüge des Konzeptes mitbekommen haben. Ich zweifle nicht daran, dass die Schweiz und Österreich dazu in der Lage sind, ein gleiches Konzept umzusetzen. Wir wissen aber auch, dass sich die Ausgangslage grundlegend verändern kann, von einem Moment auf den anderen. Wenn man, in einem anderen Zusammenhang, die Ereignisse in Basel hier erwähnt, so bin ich dagegen nicht sicher, ob das eine völlig neue Entwicklung ist oder ob man das nicht vorausgesehen hat oder hätte voraussehen können. Wir werden sicher bei der Frage der zusätzlichen 10,5 Millionen Franken für Sicherheitsaspekte auf diesen Punkt zurückkommen.
Ernüchternd war dann das zweite Thema, das an dieser Veranstaltung behandelt wurde, nämlich die nachhaltigen Wirkungen solcher Grossereignisse. Hier wurde insbesondere über die nachhaltigen Wirkungen in Portugal, in Südkorea und, aus früherer Erfahrung, in Frankreich Bericht erstattet. Experten haben die Situation bezüglich der nachhaltigen Wirkungen dargelegt, namentlich betreffend unsere "Vorgängerin", die Veranstalterin der EM 2004 in Portugal. Diese EM war von einem ganz anderen finanziellen Aufwand geprägt. Was zurückgeblieben ist, ist, jedenfalls für mich, eher ernüchternd. In Südkorea war das in wirtschaftlicher Hinsicht noch mehr der Fall. In Südkorea ging es aber noch um etwas anderes. Man wollte beweisen, dass diese Nation in der Lage ist, ein derartiges Grossereignis durchzuführen. Das ist natürlich ein Wert, der nicht in Franken und Rappen gemessen werden kann. In Südkorea war die Zielsetzung offenbar, was die nachhaltige Wirkung betrifft, insofern eine andere, als damit ebenfalls ideelle Werte verfolgt wurden. Aber wirtschaftlich muss man mindestens in Bezug auf diese beiden Grossveranstaltungen, die Europameisterschaft 2004 in Portugal und die Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und in Japan, ein Fragezeichen machen. Wir werden sehen, wie das in Deutschland ist. Dort gibt es Arbeiten über sehr grosse nachhaltige Wirkungen, insbesondere wirtschaftlicher Art. Aus der Perspektive von Portugal und Südkorea muss man ein grosses Fragezeichen dazu machen.
Deshalb scheint es mir müssig zu sein, darüber zu diskutieren, was diese Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und in Österreich an nachhaltigen Wirkungen mit sich bringt. Selbstverständlich muss es ein Ziel sein, auch nachhaltige Wirkungen zu erzielen; ob das möglich sein wird oder nicht, wissen wir erst, nachdem die Sache gelaufen ist.
Der langen Rede kurzer Sinn: Erwartungen sollen bestehen. Die Erwartungen sollen nicht zu hoch sein. Die Erwartungen sollen realistisch sein, dann sind auch Enttäuschungen weniger gross. Was wichtig ist: Wir können uns auf ein sportliches Grossereignis freuen, bei dem wir hoffen, dass der [PAGE 318] Sport im Mittelpunkt steht und nicht irgendwelche anderen Ereignisse. Das liegt aber nicht nur in unserer Hand, da spielen auch Entwicklungen hinein, die ausserhalb unseres Landes ablaufen.
Ich bin selbstverständlich für Eintreten und Zustimmung zu den Anträgen der Mehrheit. Ich gehöre zur Mehrheit, die diese 10,5 Millionen Franken nicht zusätzlich gewähren will; darüber werden wir in der Detailberatung diskutieren.