Widmer Hans · Nationalrat · 2006-12-05
Widmer Hans · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2006-12-05
Wortprotokoll
Zuerst möchte ich meine Interessenbindung freilegen: Ich bin seit etwa zwei Jahren Präsident der Nike, der Nationalen Informationsstelle für Kulturgütererhaltung - also nicht der Turnschuhfabrik.
Ich setze mich mit fester Überzeugung dafür ein, dass man hier keine falsche Sparstrategie fährt. Herr Bundesrat, ich verstehe Sie als Finanzdirektor schon, aber als Kunstsammler würde ich Sie schon weniger verstehen. Ich verstehe nicht, dass man das Risiko eingeht, Baudenkmäler noch weiter verrotten zu lassen, um dann in ein paar Jahren doch zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass sie ins Register der schützenswerten Bauten gehören und dass man dann am Schluss sehr viel mehr bezahlen muss. In der Innerschweiz gibt es einen Ausdruck, der lautet: Das ist "gegersauert". Das ist eigentlich eine Strategie, bei welcher der Schuss nach hinten losgeht. Das dürfen wir uns auch als clevere Finanzpolitiker, was Sie natürlich sind, nicht leisten. Wir dürfen es den zukünftigen Generationen - jetzt kehre ich die Argumentation einmal um - nicht zumuten, dass sie beim Erhalten von Kulturlandschaften mehr bezahlen müssen, als sie jetzt bezahlen müssten, wenn die Renovation jetzt durchgeführt würde.
Ich bitte Sie: Springen Sie in dieser wichtigen Frage über Ihren Schatten. Es wurde gesagt: Kulturlandschaften sind ein sehr wichtiges Potenzial, nicht nur für die Erziehung, nicht nur für die Identitätsstiftung und unser Selbstgefühl; Sie gehen schliesslich auch lieber irgendwohin in die Ferien, wo Erinnerungen da sind, wo Kultur da ist, als in irgendeine Brache, wo nur Gebäude aus den letzten zehn Jahren stehen.
Ich bitte Sie, im Sinne einer nachhaltigen Sparpolitik, im Sinne einer weitblickenden Kulturpolitik, hier dem Minderheitsantrag zuzustimmen.