Lexipedia

Frösch Therese · Nationalrat · 2006-12-05

Frösch Therese · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2006-12-05

Wortprotokoll

Die Frage stellt sich, warum der Bund die Finanzhilfen an die Stiftung Bibliomedia Schweiz im Vergleich zu jenen an andere Kulturinstitutionen überproportional stark kürzt. Das ist das Thema, und wir haben auch in der Kommission gesehen, dass leider umverteilt wird, und zwar eher Richtung Film. Das geht unseres Erachtens nicht. Wenn der Bund sparen muss, dann sind sicher alle betroffen, doch bei der Gewichtung, wer wie viel zur Entlastung des Bundeshaushaltes beitragen muss, bestehen sehr grosse Unterschiede.

Die Bundessubventionen 2006 an die Stiftung Bibliomedia Schweiz wurden mit 1,5 Millionen Franken nominal auf das Niveau von 1990 reduziert. Damit stehen der Stiftung im Jahr 2006 real - teuerungsbedingt - dreissig Prozent weniger Mittel vonseiten des Bundes zur Verfügung als im Jahr 1990. Im Vergleich zu anderen durch den Bund geförderten Kulturbereichen ist das Ausmass dieser Kürzung sehr hoch. Es ist deshalb anzunehmen, dass das EDI und das Bundesamt für Kultur der Auffassung sind, die Bibliotheks- und Leseförderung in der Schweiz sei im Vergleich zu anderen Kulturaufgaben von nebensächlicher Bedeutung. Dem ist überhaupt nicht so. Die Stiftung Bibliomedia betreibt an drei Orten in der Schweiz grosse Ressourcenbibliotheken mit einem Buchbestand von über 500 000 Bänden in allen Landes- und Fremdsprachen. Sie beliefert pro Jahr rund 600 Bibliotheken und 10 000 Schulklassen in allen Landesteilen. Zudem entwickelt die Stiftung Materialien und Projekte zur Leseförderung. Ich muss wahrscheinlich niemandem hier sagen, wie wichtig Bibliotheken sind, sei es, dass Sie eigene Erfahrungen damit haben, sei es, dass Sie es durch Ihre eigenen Kinder oder Grosskinder wissen. Der Betrieb lokaler Bibliotheken ist in der Schweiz nämlich wie in den meisten europäischen Staaten sehr, sehr wichtig, und diese Bibliotheken sind sehr beliebt. Es ist primär eine Gemeindeangelegenheit, doch in allen Ländern in Europa werden diese föderalistischen Strukturen im Bibliothekswesen durch zentrale Einrichtungen und gezielte Massnahmen vonseiten der Kultur- und Bildungsministerien gestärkt.

Es ist sehr wichtig, dass man gut zu den Bibliotheken schaut. Sie sind ein grosser Wert in unserem Land. Wir verstehen in der grünen Fraktion nicht, weshalb man die Bibliomedia heruntersparen will. Wir haben es gesehen, der neue vierjährige Vertrag wurde im Bundesrat mit 1,5 Millionen Franken pro Jahr beschlossen. Wir verstehen das schlichtweg nicht. Denn es gibt nichts Wichtigeres, nichts Interessanteres, nichts Würdigeres, als die öffentlichen Bibliotheken zu unterstützen.

Wir bitten Sie, das Budget wiederum auf 2 Millionen Franken pro Jahr zu erhöhen, damit diese Bibliotheken florieren und wenn möglich noch aktiver werden können.

Frösch Therese · Nationalrat · 2006-12-05 | Lexipedia | Lexipedia