Genner Ruth · Nationalrat · 2007-03-13
Genner Ruth · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2007-03-13
Wortprotokoll
Es gibt drei ganz wichtige Punkte, die für die Gesamtbetrieblichkeit im Biolandbau sprechen. Das ist erstens die bewährte Praxis. Die Gesamtbetrieblichkeit ist ein seit Jahren bewährtes Prinzip. Es ist nicht nur ein Denkprinzip, sondern auch ein Arbeitsprinzip, das auf dem Hof mit einem integralen Ansatz auch bei den Stoffkreisläufen umgesetzt wird. Ein Biolandwirt arbeitet dann gesamtbetrieblich, wenn sämtliche Aktivitäten und nicht nur einzelne Produktionszweige ökologisch sind. Der ganze Betrieb wird ganzheitlich angesehen. Alle Bewirtschaftungsmassnahmen werden einbezogen. Die Gesamtbetrieblichkeit passt auch zur Qualitätsproduktion, und so ist sie auch in der Bio-Verordnung vorgeschrieben.
Ich möchte hier meine Interessenbindung angeben, ich habe das am Anfang nicht gemacht: Ich bin Verwaltungsratspräsidentin der Bio Inspecta, die Höfe auf "Bio" kontrolliert und zertifiziert. Das ist gerade der wichtige zweite Punkt. Die Kontrollierbarkeit der Biobetriebe ist auch für die Konsumenten ganz wichtig. Die Gefahr der Vermischung von Bio- und konventioneller Ware ist nämlich gross, wenn Sie nicht die Gesamtbetrieblichkeit haben. Was machen wir, wenn wir einen Hof kontrollieren und Pestizide und Kunstdünger finden und der Bauer sagt, er brauche das auf den hinteren Feldern und der andere Teil sei "Bio"? Das geht nicht.
Die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel. Das ist der dritte Punkt. Die Glaubwürdigkeit ist das, was die Konsumentinnen und Konsumenten vom Biolandbau fordern, denn sie sind auch bereit, höhere Preise zu bezahlen. Das ist auch der Grund dafür, warum wir im Biolandbau die Gesamtbetrieblichkeit unter einem ganzheitlichen Ansatz mit ganzheitlichem Denken fordern.
Die Grünen wollen das geltende Recht beibehalten. Es ist die strengste und klarste Fassung, und das erfüllt auch die ökologischen Anliegen am besten. Wir wollen keine Aufweichung der Bioanliegen. Wir wollen, dass bei "Bio" wirklich "Bio" drin ist. Da geht es nicht an, dass sektorielle Bioproduktion betrieben wird.
Nun gibt es in der EU - und das wurde bereits gesagt - Ausnahmen. Aber ich kann Ihnen sagen, dass die wichtigen europäischen Bioverbände in Deutschland und Österreich ganz klar auch auf die Gesamtbetrieblichkeit setzen. Das ist das Denkprinzip und in diesem Sinne auch eine Selbstverständlichkeit.
Wenn Sie das heute aufweichen wollen - und, wir haben es gehört, es plädieren einige vor allem wegen dem Getreideanbau für die Aufweichung -, würde nur eine ganz kleine Zahl von Höfen von einer Aufweichung profitieren. Wir rechnen mit möglicherweise etwa 5 Prozent. Dies wäre aber zum Nachteil - und davor muss ich Sie warnen - eines Labels; es würde an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn wir vom Prinzip der Ganzheitlichkeit abweichen.
Ich möchte Sie dringend bitten, hier bei der alten, bisherigen Fassung zu bleiben und in diesem Sinne die Minderheit II (Hämmerle) zu unterstützen.