Walter Hansjörg · Nationalrat · 2007-03-14
Walter Hansjörg · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2007-03-14
Wortprotokoll
Vielleicht muss auch ich an diesem Punkt meine Interessenlage offenlegen: Ich bin Thurgauer, habe 60 Hochstammobstbäume, welche ich pflege und welche einen regelmässigen Ertrag liefern. Die Äpfel werden auch aufgelesen und zu Most verarbeitet.
Was will ich damit sagen? Wir haben heute das Problem, dass gerade die Hochstamm-Obstbaumpflege vernachlässigt wird. Der Bundesbeitrag beträgt pro Baum - ob schön, ob gut oder ob alt - 15 Franken. Dann gibt es noch sogenannte Bio-Ökozulagen: Da bekommt man für einen Baum 20 Franken, wenn man gar nichts an ihm macht, sondern ihn einfach stehen lässt, blühen lässt und vielleicht alle zwei Jahre einen Ertrag daraus zieht.
Nun ist vorgesehen, dass dieser Beitrag erhöht wird; und wir - und damit auch der Schweizerische Obstverband - möchten hier eigentlich eine intelligentere Lösung mit einer Nutzungszulage anregen und vorschlagen. Das heisst, es wird ein Beitrag entrichtet, wenn der Baum auch gepflegt wird und wenn das Produkt, die Mostäpfel, verwertet wird. Damit haben auch die Mostereien und die nachgelagerte Industrie einen Nutzen; sie haben einen Rohstoff, welchen sie verarbeiten und mit dem sie eine höhere Wertschöpfung erzielen können. Wir haben die erfreuliche Situation, dass die Obstsaftprodukte bei den Konsumenten zunehmend beliebt sind. Das hat zur Folge, dass wir einen höheren Absatz haben, und das ist ja sehr erfreulich.
Andererseits haben wir - ich habe die Zahlen vor mir - die Situation, dass die Erträge zurückgehen. Für die jungen Obstbäume gibt es zum Teil auch noch eine Unterstützung von Pro Natura. Es werden eigentlich genügend junge Bäume gesetzt; die alten sterben aber ab, und die Erträge bleiben aus, und auch die jungen Bäume werden zu wenig gepflegt.
Es ist für die gesamte Branche ein Riesenfehler, wenn es wieder grosse Ernten und kleine Ernten gibt. Der Markt ist nicht ausgeglichen. Das hat mit der Alternanz, mit der Pflege zu tun. Wir stellen fest, dass die Mostereien heute zu wenig Rohstoffe haben. Deshalb meine ich, dass diese Mittel in einer Nutzungszulage eingesetzt werden sollen. Das ist ökologisch auch sinnvoller und hat keine weiteren finanziellen Folgen für den Bund, weil es eine andere Art der Zahlung ist.
Ich bitte Sie also, dies zu beachten, und mache Ihnen beliebt, den Antrag der Minderheit Genner zu unterstützen, damit wir in Zukunft eine sinnvolle ökologische und produktionsorientierte Mostobstproduktion erwirken können. Damit können wir die Bestände in dieser Art und Weise aufrechterhalten und insbesondere die Rohstoffe für den erhöhten Absatz der Mostereien selbst produzieren.