Stahl Jürg · Nationalrat · 2007-03-19
Stahl Jürg · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2007-03-19
Wortprotokoll
Die SVP-Fraktion beantragt Ihnen, wie der Bundesrat es auch tut, die Motion abzulehnen. Der Motionär versucht zwar, mit einem populären Thema ein Problem anzusprechen. Beim genauen Hinsehen merkt man jedoch schnell, dass einmal mehr ein Problem - die Übergewichtigkeit von Kindern und jungen Erwachsenen ist tatsächlich ein Problem - von der falschen Seite angegangen wird. Es verbessert die Situation kaum bzw. nicht, wenn sich die Politik zuerst mit den Finanzierungsfragen beschäftigt, bevor sie die tatsächlichen Ursachen analysiert. Einfach deshalb, weil die Krankenkassen oder die Versicherungen zahlen, ist das Problem nämlich nicht gelöst.
Übergewicht bei Kindern und jungen Erwachsenen ist eine Konsequenz der gesellschaftlichen Entwicklung und mit wenigen Ausnahmen der Passivität der Eltern zuzuordnen. Tagtäglich versuchen Ingenieure, aber auch Politiker das tägliche Leben einfacher, bewegungsärmer und bequemer zu machen; Schulbusse, öffentlicher Verkehr, Kickboards, Lifte, Rolltreppen und das Eliminieren von kompetitiven Elementen in der Schule sind nur einige von vielen Beispielen.
Die Kostenfrage an den Anfang zu stellen, wie es der Motionär will, ist falsch. Vielmehr müssten Anreize dafür geschaffen werden, dass Bewegung und Verantwortung belohnt werden. Eltern, welche mit ihren Kindern sinnvolle Freizeitbeschäftigungen bestreiten, sollten nicht über die Versicherungssolidarität die Inaktivität anderer finanzieren. Es gibt in unserer Gesellschaft genügend Möglichkeiten, auch sehr kostengünstige, um sich genügend zu bewegen. Ich denke an die unzähligen ehrenamtlich organisierten Vereine wie Jugend- und "Meitli"-Riegen oder Fussballklubs, welche schon heute einen entscheidenden Beitrag in der Ausbildung von Jugendlichen und Kindern im Breitensportbereich leisten. Hier kann und sollte der Staat nicht die Verantwortung übernehmen. Vielmehr sollte er Hand bieten, um diese Institutionen nicht mit mehr Auflagen und höheren Hürden zu behindern.
Die Motion zeigt ein gesellschaftliches Problem auf, welches dringend diskutiert werden muss. Weil die Motion aber den falschen Ansatz verfolgt, ist sie abzulehnen. Ich bitte Sie, dies auch zu tun.