Lexipedia

Riklin Kathy · Nationalrat · 2007-03-21

Riklin Kathy · Nationalrat · Zürich · Christlichdemokratische Fraktion · 2007-03-21

Wortprotokoll

Elf der zwölf letzten Jahre gehören zu den wärmsten seit 1850. Ein Wärmerekord folgt dem anderen. Die Klimaänderung findet statt. Mehr Niederschläge im Winter, Trockenheit im Sommer und 2 bis 3 Grad wärmere Durchschnittstemperaturen, dies haben die Forschenden aufgrund des IPCC-Berichtes für die Schweiz bis ins Jahr 2050 prognostiziert. Wir konnten ihn Ihnen letzte Woche vorstellen.

Naturwissenschaftliches Faktum ist: Auch mit rigorosesten CO2-Reduktionen werden die Temperaturen gemäss den Berechnungen und Prognosen zunehmen. Die Gletscherfläche der Schweiz wird bis 2050 um 75 bis 90 Prozent dramatisch zurückgehen. Hier kommt jedes Handeln leider zu spät. Bis 2100 könnte die Temperatur um 5 Grad Celsius ansteigen. Nur rasche und rigorose Emissionsreduktionen heute können die Erwärmung bremsen und bis 2100 fast stabilisieren. Daher müssen wir alles unternehmen, den Treibhausgasausstoss zu reduzieren.

Auch wenn die Schweiz mengenmässig wenig am globalen CO2-Ausstoss beteiligt ist, sind wir international in zukünftigen Verhandlungen nur glaubwürdig, wenn wir uns energisch für eine CO2-Reduktion im eigenen Land einsetzen. Damit zeigen wir Verantwortung und handeln solidarisch. Einmal mehr ist uns die EU zuvorgekommen. Sie will 20 Prozent weniger CO2 ausstossen bis 2020. Dies ist ein ehrgeiziges Ziel, das die Schweiz aber übernehmen sollte.

Im Energiebereich gilt es in erster Linie, die Energieverschleuderung zu stoppen. Die Diskussion sollte eigentlich weniger auf die Glühbirne konzentriert sein als auf die Stromverschwendung im Wärmebereich: eine kurze Dusche statt ein Vollbad, mehr Wäscheleinen statt Tumbler. Es macht überhaupt keinen Sinn, wenn Sie mit Solarenergie Strom produzieren, um anschliessend die Wäsche im Tumbler zu trocknen. Das heisst also: Ein paar Wäscheklammern mehr helfen vielleicht auch Energie sparen. Im Jahr 2005 erzeugten die Solaranlagen in der Schweiz genau 0,032 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs. Von 1990 bis 2005 nahm der Absatz von Elektrizität in der Schweiz insgesamt um 22,6 Prozent zu. Mengenmässig wuchs der Verbrauch von Strom also 700-mal stärker als die Produktion von Solarstrom. So verbrauchen allein die Tumbler rund 30-mal mehr Elektrizität, als alle Solaranlagen in der Schweiz erzeugen. Man sollte manchmal auch die naturwissenschaftlichen Kenntnisse vor Augen haben.

Ergreifen wir dort Massnahmen, wo es "einschenkt". Wichtig sind Sparanstrengungen und effiziente Apparate. Daneben müssen wir vor allem von den fossilen Brennstoffen wegkommen; dies auch aus geopolitischen Überlegungen, weil wir damit weniger abhängig von den erdölfördernden Regionen in den unsicheren Nahost- und GUS-Staaten sind. Die eigenen erneuerbaren Energien sind mit aller Kraft zu fördern. Dazu gehört die Geothermie. Die Wärmepumpen, welche untiefe Erdwärme nutzen, sind bereits zu einem grossen Erfolg geworden. Mehr als 100 000 Wärmepumpen sind in der Schweiz installiert. Leider erlitt die tiefe Geothermienutzung durch das Basler Projekt einen herben Rückschlag. Gerade vor einer Stunde ist anscheinend in Basel das fünfte Erdbeben eingetreten. In Soultz-sous-Forêt im Elsass soll demnächst ein 1,5-Megawatt-Kraftwerk entstehen. In Deutschland und in Österreich gibt es bereits fünf Projekte, die Strom produzieren. Das Projekt für eine Bohrung bis 7,5 Kilometer Tiefe im luzernischen Perlen ist nach Berechnungen der Fachleute aber nicht erfolgversprechend. Wir können uns bei der Geothermie keine weiteren Flops mehr leisten. Wir müssen Standorte finden, wo wir günstige hydrothermale Verhältnisse in 3 bis 5 Kilometern Tiefe finden. Dazu brauchen wir neues Risikokapital für weitere Projekte. Wir brauchen aber auch mehr Forschungsmittel. Daher unterstützen wir den Vorstoss von Herrn Theiler.

Zum Schluss noch eine Bemerkung, die ich auch als Bildungspolitikerin mache, und ein Appell an Sie: Wir brauchen mehr Kenntnisse in den Bereichen Technik und Naturwissenschaften, denn auch bei einigen Aussagen, die ich hier gehört habe, standen mir ein bisschen die Haare zu Berge.