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Müller Geri · Nationalrat · 2007-03-21

Müller Geri · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2007-03-21

Wortprotokoll

Es scheint offenbar so zu sein, dass immer mehr zum Brückenbauen aufgerufen wird, wie wir es vorhin gehört haben. Ich erachte es auch als sehr beachtenswert, dass ich diese Ausführungen eine Minute verlängern kann, weil Oskar Freysinger auf einen Teil seiner Redezeit verzichtet hat.

Ich sehe darin wirklich die Möglichkeit, dass wir nach all diesen Statements, die hier abgegeben worden sind, irgendeine Klimapolitik fordern müssen, die eine Relevanz hat. Es muss eine Relevanz sein, bei der wir auch ein bisschen zurückschauen müssen, was bis jetzt gemacht worden ist. Ganz am Anfang der Debatte wurde das Hohelied gesungen, was wir alles für Katastrophen in den Griff bekommen haben. Das war das Votum von Herrn Baader. Er hat gesagt, dass in den Sechzigerjahren die Wasserqualität als katastrophal angeschaut worden sei, heute sei das Problem gelöst. Ich hätte Herrn Baader gerne gefragt, ob er weiss, wie viele Milliarden Franken die Sanierung unserer Seen gekostet hat und immer noch kostet. Der Hallwilersee muss beispielsweise weiterhin gekühlt werden, damit er keine Algen bildet.

Zur Frage des Waldsterbens: Ist das Waldsterben eine Hysterie gewesen oder nicht? Schauen Sie sich das an, der Wald ist noch nicht gesund, und wenn Sie die weiteren Texte und die Botschaften zum Thema Wald anschauen, dann stellen Sie fest, dass sich der Wald weder erholt hat noch gesund ist. Also auch da sind wir noch nicht weit.

Schauen wir, was heute mit dem Klima passiert. Das Klima rebelliert - vielleicht auch gegen diese Debatte; obwohl die Umweltverbände draussen vor dem Bundeshaus versucht haben, ein bisschen Farbe mit hineinzubringen, wird es schwierig, sich gegen das durchzusetzen. Eine Katastrophe haben Sie noch vergessen, Herr Baader, nämlich die Chemie. Wenn wir uns vorstellen, was heute in einem sogenannt gesicherten Bereich passiert, wie viele Milliarden Franken wir bei der Chemie liegen lassen, dann muss uns das auch sehr grosse Sorgen machen.

Ich komme aus einem Kanton, der eine Mülldeponie in Kölliken hatte. Ein paar private Organisationen haben das aufgezogen. Sie haben sich eine sogenannte Reserve geschaffen für den Fall, dass es ein Problem geben würde. Diese Reserve hat nirgendwo hingereicht. Die Organisationen sind plötzlich verschwunden, und die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler des Kantons Aargau müssen 500 Millionen Franken aufbringen, um das zu sanieren. Wir sind aber noch weit von einem Zustand entfernt, der als saniert bezeichnet werden könnte. Heute können Sie der Zeitung entnehmen, dass rund um Basel mindestens 160 000 Tonnen Chemieabfälle vergraben sind - achtmal mehr, als man sich vorgestellt hatte.

So, und jetzt gehen wir zum nächsten Projekt, zu den vielbeschworenen Atomkraftwerken. Wir produzieren dort täglich Tomatendosen voller hochradioaktiven Atommülls, der im Moment zwischengelagert wird, selbstverständlich auch im Kanton Aargau, in Würenlingen, unter dem gekröpften Nordanflug, unter leichten Dächern. Jetzt sind Leute daran, das Ganze zu vergraben, vermeintlich sicher zu vergraben. Wir haben heute Konzepte. Alle Leute sind sich sicher, dass sich die Forscher das genau angeschaut haben. Die Umweltverbände wurden aber nicht als "second team" eingeladen, um genau zu prüfen, was dort verlocht wird und wie es verlocht wird. Und wieder sagen alle Experten: No problems, wir haben's im Griff, wir können das machen. Ich habe Angst davor, in 20 Jahren wieder hier stehen zu müssen, Milliarden von Franken bewilligen zu müssen, um einen kleinen Fehler, der sich bei den Forschungsarbeiten 2006 und 2007 ergeben hat, zu korrigieren - für Mengen, die dreimal so hoch sind wie heute.

Es haben heute viele hier gesagt, dass wir keine Atomkraftwerke brauchen, dass wir genügend Möglichkeiten haben, sie zu ersetzen. Ich bitte wirklich, diese Alternativen, die auch heute vorgeschlagen worden sind, zu unterstützen; nicht, dass in 20 Jahren Ihre Tochter oder Ihr Sohn hier vorne stehen und das zitieren muss, was ich vorhin über unsere Vorfahren gesagt habe.

Noch ein Stichwort zum CO2 und zu den Atomkraftwerken: Wer heute erzählt, dass Atomkraftwerke CO2-frei wären, der vergisst einfach etwas. Die Atomkraftwerke bringen es fertig, 120 Gramm in CO2-Äquivalenten pro Kilowattstunde herzustellen. Das ist ganz gehörig viel; und da gehört der Abbau dazu, und da gehören die Transporte dazu, die alle miteingerechnet werden müssen. Dieser Ausstoss steigt Jahr für [PAGE 484] Jahr, weil der Urananteil im Abbaugestein immer geringer wird.

Ja, ich muss offenbar aufhören. Ich danke vielmals für das Zuhören und bitte Sie wirklich, endlich klimarelevante Vorstösse zu unterstützen.