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Haering Barbara · Nationalrat · 2007-03-21

Haering Barbara · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2007-03-21

Wortprotokoll

Als in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts die globale Umweltdebatte ihren Anfang nahm, stand ein Thema im Brennpunkt des Interesses: die Endlichkeit der Ressourcen dieser Welt. "Limits to growth" war das, was der Club of Rome als Antwort auf diese Endlichkeit forderte. Einige Fakten dazu: Der Weltenergieverbrauch dürfte sich bis zum Jahr 2030 verdoppeln. Er wird auch dann zu mehr als 50 Prozent auf fossilen Energien basieren. Doch diese Ressourcen sind begrenzt: Erdöl und Erdgas 40 bis 50 Jahre, Uran 40 Jahre, Kohle 120 Jahre. Zudem sind diese Ressourcen geografisch sehr ungleich verteilt. Nordamerika, das ursprünglich fast gleich viele Ressourcen besass wie Saudi-Arabien, hat seine Vorräte beinahe aufgebraucht. Westeuropa ist von den Energielieferungen Russlands abhängig. Zu Beginn der Achtzigerjahre, das heisst genau zur Zeit, als ich so alt war wie heute Evi Allemann, unser jüngstes Ratsmitglied, realisierten wir, dass wir zwar noch weit weg vom Ende der Ressourcen sind, dass es aber der Ressourcenverbrauch an sich ist, der zu globalen Umweltproblemen führt. Die Probleme hatten uns also bereits überholt.

Heute erkennen wir, dass auch nicht erst der Kampf um die letzten Ressourcen zu möglicherweise gewalttätigen Auseinandersetzungen führen wird, sondern dass bereits heute Produktion, Nutzung und Vermarktung von Ressourcen, insbesondere von Energie, konfliktabhängig sind und politische Abhängigkeiten begründen können. Die Macht über Ressourcen kann ebenso missbraucht werden wie die Macht über Armeen. Dies darf nicht sein. Wir wollen weder Kriege um Ressourcen, wie wir dies in Irak erleben, noch Machtkonflikte mittels Ressourcen, wie dies die zentraleuropäischen Länder im vorletzten Winter zu spüren bekamen. Erdölgewinne können zudem in den Produktionsländern selber nachhaltige Wirtschaftsentwicklungen hemmen und ebenso den Aufbau von Demokratien. Fehlende Transparenz und Rechenschaftsablage bezüglich der Verwendung von Erdölgewinnen fördern Korruption. Gesellschaftliche Konflikte verschärfen sich, politische Instabilität ist die Folge, lokal, regional und global.

In den letzten 40 Jahren haben wir auch vielfältige Lösungsansätze erarbeitet: den technischen Umweltschutz, das qualitative Wachstum, ökonomische Anreize bis hin zur Strategie der nachhaltigen Entwicklung. Mit anderen Worten: Der Massnahmenkatalog ist hinlänglich bekannt. Rückblickend betrachtet allerdings erscheinen diese Ansätze immer auch als hilflose Versuche von Auswegdebatten. Denn eines ist klar: Wenn wir Kriege um Ressourcen verhindern und ein Überleben mit nachhaltigen Energien ermöglichen wollen, werden wir um eine Reduktion unseres Ressourcenverbrauchs nicht herumkommen. Dies wird eine umfassende Wertediskussion bedingen. Ziel ist es, zu tragbaren Kosten eine nachhaltige Versorgung und eine wirkungsoptimierte Nutzung von Energien, Wasser und Rohmaterialien zu ermöglichen.

Ich hoffe, Sie drücken sich nicht einmal mehr vor dieser Wertediskussion, denn es sind nicht nur Evi Allemann und ich, die auf Enkelkinder hoffen.