Leuenberger Ernst · Ständerat · 2000-09-27
Leuenberger Ernst · Ständerat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2000-09-27
Wortprotokoll
Erlauben Sie mir, hier der Genfer Abgeordneten zu widersprechen und Ihnen aus solothurnischer und vielleicht ein klein wenig aus ausserrhodischer Sicht einen kleinen Erfahrungsbericht vorzustellen.
Im Kommissionsreferat sind diese beiden Kantone als "weisse Raben" oder als was auch immer bezeichnet worden, jedenfalls als Ausnahmefälle. Das kommt vor. Auch Gotthelf, wenn er über die Radikalen geschimpft hat, hat neben den Baselbietern immer die Ausserrhodner und die Solothurner besonders beschimpft, was aus konservativer Sicht damals durchaus seine Berechtigung gehabt haben mochte.
Ich will Ihnen einen Erfahrungsbericht geben, den mir solothurnische Drogisten vorgetragen haben und der nicht ohne Eindruck auf mich geblieben ist. Solothurnische Drogisten haben mir Heilmittel auf den Tisch gestellt und mich gefragt, ob ich Neo-Citran kenne. Ich habe gesagt: Natürlich kenne ich dieses Medikament, das kaufe ich ja bei Ihnen. Dann sagte mir ein Drogist: Sehen Sie, mit dem neuen Gesetz - wenn das so geht, wie es beispielsweise die Minderheit will - können Sie das nicht mehr bei mir kaufen, Sie müssen es dann eben in der Apotheke kaufen.
Als gedienter Gewerkschafter - die Apotheker und Drogisten sind nun mal Gewerbler, wenn die miteinander streiten, dann habe ich mich herauszuhalten - habe ich dann weiter zugehört, und sie haben mir einen Nasenspray vorgeführt, der heisst Vibrocil. Es kommt vor, dass ich da ein bisschen verstopft bin - rein physisch. Dann spraye ich mir diesen Nasenspray in die Nase, den ich bei meinem Drogisten kaufe, und die Sache ist innert kurzer Zeit behoben. Mein Drogist sagt mir: Sehen Sie, das können Sie dann nach dem neuen Gesetz höchstwahrscheinlich bei mir nicht mehr kaufen.
Ich gebe nur Eindrücke wieder. Ich hatte den Eindruck, dass diese Ausnahmeregelung im löblichen Stand Ausserrhoden und im löblichen Stand Solothurn bisher zu keinen hör- und sichtbaren Klagen, Schwierigkeiten und Schäden geführt hat, die nun zwingend behoben werden müssten. Es scheint mir, dass man mit der Formulierung der Mehrheit diesem Anliegen solothurnischer Drogisten ein klein wenig entgegenkommen könnte.
Darum möchte ich dafür plädieren, dass man hierin heute der Mehrheit der Kommission zustimmt.