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AB 76630

Meier-Schatz Lucrezia · Nationalrat · St. Gallen · Christlichdemokratische Fraktion · 2007-09-26

Wortprotokoll

"Leben auf Pump ist ein neuer Volkssport!" Diesen Titel konnte man letztes Jahr auf der ersten Seite einer Ausgabe von "Cash" lesen. Vielleicht erinnern Sie sich an eine Werbung des letzten Sommers; da sieht man einen jungen Menschen, wellenreitend auf Tausendernoten. Wer im Internet surft, kann immer wieder von verlockenden Angeboten von Kreditinstituten Kenntnis nehmen. Die Kreditinstitute fragen vielversprechend: "Warum warten, wenn die Träume heute schon realisierbar sind?"

Eines aber lässt sich nicht leugnen: Geld ist zum Spiritus Rector unserer Gesellschaft geworden. Geld ist für Jugendliche und junge Erwachsene - und um diese geht es bei dieser Initiative - wahnsinnig wichtig. Jugendliche geben eigenes und elterliches Geld grosszügig und lustvoll aus. Heute konsumieren Teenies Waren und Dienstleistungen für rund 3 Milliarden Franken jährlich. Tatsache ist, dass der Volkssport "Leben auf Pump", der von der Erwachsenenwelt vorgelebt wird und von welchem die Wirtschaft profitiert, auch von der jüngeren Generation praktiziert wird. So geben heute 33 Prozent der 16- bis 25-Jährigen mehr Geld aus, als sie sich leisten können. 17 Prozent der 18- bis 24-Jährigen haben laut eigenen Angaben grosse Probleme, ihr Kaufverhalten zu kontrollieren. In der Fachsprache bezeichnet man diese fehlende Kontrolle mit nichts anderem als mit dem Begriff "Kaufsucht". Wenn zudem weitere 47 Prozent in Untersuchungen angeben, dass sie ein mittleres Kaufkontrollproblem haben, dann muss uns das aufhorchen lassen, und dann müssen wir auch agieren. Die Folgen für die über 18-Jährigen heissen: unbezahlte Rechnungen, aufgeschobene Steuerrechnungen, Abzahlungsgeschäfte, Leasing und schliesslich Aufnahme von zusätzlichen Konsumkrediten.

Der Kleinkredit-Konsummarkt ist ein boomender Markt. Wir sprechen hier von 5 bis 8 Milliarden Franken. Die Branche verspricht denn auch, das gehe schnell, einfach und diskret, und ergänzt: "Wir beraten Sie gerne, damit Sie die finanzielle Freiheit bekommen, die Sie zur Umsetzung Ihrer Ideen brauchen."

Die Verschuldungsproblematik bei Jugendlichen gewinnt zunehmend an sozialpolitischer Relevanz. Sicher ist die Autonomie in Bezug auf die "Geldentscheidung" für junge Erwachsene ein wichtiger Bestandteil ihrer Identitätsbildung. Problematisch wird dies aber, wenn sie ihre Konsumansprüche nicht mehr mit dem eigenen Geld bezahlen und Kredite aufnehmen müssen, die sie mit ihrem Einkommen nicht zurückbezahlen können.

Es kann doch nicht sein, dass beispielsweise ein 21-Jähriger mit einem monatlichen Einkommen von 4200 Franken eine Finanzierungsprognose bei einem Kreditinstitut von 41 000 Franken inklusive Zinsen erhalten kann. Da verstehe ich natürlich das Kreditinstitut, wenn es dem Interessenten auf der letzten Internetseite verspricht: "Sie sehen mit uns einer langjährigen Partnerschaft entgegen." Mittlerweile beginnt die Schuldenkarriere immer häufiger in jungen Jahren. 80 Prozent der überschuldeten Erwachsenen haben ihre ersten Schulden im Alter unter 25 Jahren gemacht. Auch schlägt nicht nur die beratende Eidgenössische Kommission für Konsumentenfragen des Bundesrates Alarm und verlangt einen dringenden Schutz der jungen Erwachsenen vor Verschuldung, sondern es tun dies vermehrt auch Betreibungsämter und die Budgetberatungsstellen verschiedener Kantone. Denn in den letzten vier Jahren haben die Betreibungen um 80 Prozent zugenommen. Jeder Dritte, der betrieben wird, ist zwischen 19 und 30 Jahren alt.

Das sind die Gründe, weshalb wir Ihnen als die Minderheit der Kommission ganz klar in dieser ersten Phase die Annahme der Initiative von Herrn Rossini empfehlen; dies auch nicht zuletzt, weil verschiedene Motionen - auch meine Motion - eingereicht worden sind, die nach wie vor nicht [PAGE 1449] behandelt sind. Wir müssen zum jetzigen Zeitpunkt den Druck auf den Bundesrat respektive das Parlament erhöhen.

Ich bitte Sie, dem Antrag der Minderheit zuzustimmen.